Ein
Koffer voller Erinnerungen an die alte Heimat
Inventarliste eines Koffers:
4 Röcke, 2 Schürzen,
2 Kopftücher, 3 Spenzer, eine lederne Brieftasche, ein Gebetbuch aus dem
Jahr 1899 und ein Konvolut von Dokumenten (Inv.Nr. 17968 bis 17989).

Lederner Handkoffer der Elisabeth Helget
gepackt mit Trachtenstücken, Inv.-Nr. 17989
Bestand des Egerland-Museums Marktredwitz
Könnte dieser kleine, schwarze Lederkoffer eine Geschichte erzählen, so
würde er von dem Leben von Elisabeth Helget aus Mirschikau berichten, der
Eigentümerin des Koffers.
Frau Helget wurde am
15. Oktober 1875 als Tochter des Häuslers Georg Wandner und seiner Frau
Anna in Mirschikau geboren. Dort wuchs sie auf und lernte später ihren
Mann Andreas Helget, einen Kutscher aus Krakau, kennen. Am 13. Januar 1902
heiratete das junge Paar in der Pfarrkirche zu Krakau, Kreis Hostau.
Leider verstarb ihr Ehemann Andreas bereits 1926 mit 51 Jahren an der
Krankheit Lungentuberkulose, so dass Elisabeth ihr Leben von nun an allein
auf sich gestellt, meistern musste. Im Jahr 1946 erlebte Frau Helget, wie
so viele Egerländer, mit 71 Jahren die Vertreibung aus ihrer alten Heimat.
Sie musste ihren kleinen Hof in Krakau verlassen und wurde in das
bayerische Dörfchen Unterumbach Nr. 26 im Kreis Friedberg ausgesiedelt.

Transportzettel für Evakuanten
Ausgestellt für Luise Helget 1946, Inv,-Nr. 17974
Bestand des
Egerland-Museums Marktredwitz
Auf dem landwirtschaftlichen Anwesen half sie bis im Oktober 1957
tatkräftig mit, bis ihr Neffe seine 82jährige Großtante zu sich nach
München holte. Dort verbrachte sie ihren Lebensabend bis Frau Helget am
17. Januar 1963 in München an den Folgen einer Lungenentzündung verstarb.

Gebetbuch „Wanderstab des christlichen Alters auf dem Wege zur
himmlischen Heimat“
Budweis 1899, Inv.Nr. 17988
Bestand des Egerland-Museums Marktredwitz
Es gibt viele
Möglichkeiten seinen Heimatverlust zu verarbeiten und die Erinnerungen an
die Heimat für sich zu bewahren. Elisabeth Helget fand Trost und Kraft
durch tägliches Lesen in ihrem alten Gebetbuch mit all seinen kleinen
Andachtbildern von vergangenen Osterbeichten, Wallfahrterinnerungen und
Sterbebildchen. Ein Ausdruck ihrer inneren Verbundenheit mit dem Egerland,
der verlorenen Heimat an der ihr Herz noch hing, war auch das Tragen ihrer
Tracht, die sie bis zu ihrem Lebensende bei festlichen Anlässen, wie z.B.
bei der Kommunion ihrer Großnichte, trug.

Elisabeth Helgert mit Kommunionkind
Um 1960
Bestand des Egerland-Museums Marktredwitz
Das Egerland-Museum
bedankt sich bei allen Spendern für die zahlreichen Objekte und den damit
verbundenen interessanten Geschichten, die immer wieder den Bestand des
Museums aufs Neue bereichern.
Carola Reul M.A.
Egerland-Museum
Marktredwitz
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag, von 14:00 bis 17:00 Uhr