|
„Momente des Südens –
Radierungen und Gemälde von Robert Reiter“
Eine Sonderausstellung in der Egerländer
Kunstgalerie
Bilder
von der Vernissage
am 9. Juli 2009
Der
Künstler und Kunsterzieher
Ein bekannter oberfränkischer Künstler
hat seine familiären Wurzeln im Egerland: Seine Eltern stammen aus
Putschirn (Počerny) und Janessen (Jenišov) im Kreis Karlsbad.
Nachdem sein Vater berufsbedingt umziehen musste, wurde Robert Reiter 1932
in Preßburg (Bratislava) in der Slowakei geboren. Nach der Vertreibung
absolvierte er seine Schulzeit am Gymnasium in Neustadt in Mittelfranken
und sein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München. Unter
anderem hatte er engen Kontakt zu Oskar Kokoschka in Salzburg. Bis 1995
wirkte Robert Reiter als Kunsterzieher im Schuldienst in Coburg.
Nebenberuflich engagierte er sich in den Jahren 1970 bis 1990 als
Initiator und Leiter des Gerätemuseums in der Schäferei Ahorn.

Palatin in Rom
Kaltnadelradierung mit Monotypie, 2000
60 x 40 cm
Die thematischen Schwerpunkte in
seinen Acrylgemälden, Lithografien und Radierungen legt Reiter auf
Landschafts- und Städteansichten. Die Motive findet er überwiegend in
der heimatlichen Region und in den alten Kulturlandschaften der
Mittelmeerländer. In seinen Ausstellungen versucht der Künstler auch das
Interesse der einheimischen Besucher des jeweiligen Ausstellungsorts für
die eigene Landschaft und die Denkmalpflege zu wecken. Dies gelingt
dadurch, dass er Motive aus der Umgebung aufgreift und subjektiv in seiner
persönlichen künstlerischen Sprache umsetzt. Der Künstler selbst
formuliert dies folgendermaßen:
„Ich möchte den Lebensspuren
früherer Generationen nachgehen, in Fluren und Bauten. Die Schwere des
Vergangenen, das bis in die Gegenwart hineinragt, aber auch den Duft der
momentanen Erscheinung möchte ich in der Gestik meiner Linien und Farben
so direkt wie möglich dem Betrachter vor Augen stellen: Als eine
Botschaft von Zauber und Vergänglichkeit dieser Welt“.
Robert Reiter ist ein sehr
engagierter und international wirkender Künstler. Jährlich gibt es
zwischen zehn und zwölf seiner Ausstellungen im In- und Ausland zu sehen,
unter anderem in Spanien, Frankreich, Belgien oder Italien.
Reiters
Ausstellung in der Egerländer Kunstgalerie
In der Egerländer Kunstgalerie präsentiert
sich der Künstler mit der Ausstellung
„Momente des Südens –
Radierungen und Gemälde von Robert Reiter“.
Zum einen ist ein Ausschnitt
seines grafischen Werkes zu sehen. Zum anderen werden Gemälde
vorgestellt, die einen ungewöhnlichen Trägerstoff besitzen.
Unter dem Titel „Momente des Südens“
befasst sich der erste Ausstellungsteil mit Radierungen, für die als
Motive vor allem Gebäude aus der römischen Antike dienen.

Auf antikem
Terrain, Aidone auf Sizilien
Kaltnadelradierung mit Monotypie, 2000
40 x 60 cm
An den bis heute erhaltenen
imposanten Ruinen und ihrem Formenvokabular orientierten sich bereits die
Baumeister der Renaissance- und Barockzeit. Seit der Romantik und darüber
hinaus bis heute weist man diesen Ruinen einen hohen symbolischen und
malerischen Gehalt zu.

Barockes
Hofinterieur am Dom von Syrakus
Kaltnadelradierung mit Monotypie, 2000
40 x 60 cm
Auch Robert Reiter ist diesem
Charme verfallen. Seine Radierungen sind keine Auflagendrucke, bei denen
ein Blatt dem anderen gleicht. Die Vervielfältigung des üblichen
Druckbildes ist für Robert Reiter zu wenig. Ihn reizt nicht nur der
Umgang mit der Kaltnadel, sondern vor allem das Spiel mit den Variationen
sowie die Prise Zufall, Überraschung und Risiko beim Anlegen der
Zusatzeffekte. Seine Radierungen sind vielmehr Unikate, da jeweils vor dem
Drucken die bereits geritzte und eingefärbte Platte individuell weiter
behandelt wird. Robert Reiter fügt zusätzlich graue und schwarze Flächen
hinzu, wischt wiederum Lichter heraus, was dem fertigen Druck einen gemäldeähnlichen
Charakter verleiht. Eine genaue Wiederholung ist nicht möglich. Es
entsteht ein einmaliger Druck: Eine Monotypie.
„Ich
male meine Landschaften gern auf altes Sackgewebe...“
so könnte man von Robert Reiter
selbst treffend formuliert den zweiten Teil der Ausstellung
betiteln.

Umbrisches mit Hügel
Acrylmalerei auf Sackgewebe, 2002
110 x 80 cm
Die Gewebestruktur vielfach
benutzter und gealterter Säcke aus Lagerhäusern regt die Fantasie des Künstlers
an. Aufschriften mit schablonierten Buchstaben lassen das Herkunftsland
eines alten Transportsacks erraten: „Chilesalpeter, Guanodünger oder Sämereien
aus Tunis. Meist wurden die Säcke für andere Transporte weiter
verwendet. Letztendlich dienen sie Robert Reiter als großformatige
Leinwand, aufgezogen auf einen hölzernen Keilrahmen. Auf erdtonig
braunen, abgewetzten, geflickten, gestopften und von Falläpfeln fleckig
gewordenen Geweben entstehen Landschaftsdarstellungen in Acryl. Aufgrund
ihrer Geschichten bedeuten diese alten Säcke für Robert Reiter etwas
Kostbares:
„Vor
einigen Jahren kam ich durch langes Nachfragen in einem Lagerhaus in den
Besitz von 2000 nicht mehr verwendeten Säcken. Auf einem voll beladenen
Lastwagen kamen sie in meine Werkstatt. Jedes Mal wenn ich die
Transportverschnürung eines Sackstapels löse, beginnen die befreiten Säcke
zu erzählen oder besser gesagt Erinnerungen bei mir zu wecken: An die
Kindheit im Krieg, an das Fluchtgepäck in Säcken, an improvisierte Rucksäcke,
wo sich harte Gegenstände herausbeulten, an die Kartoffelernte oder an
meine Zeit als Hütebub, als mir mein Großvater gegen den Regen einen
dichten Zuckersack umhängte“.

Olivenhain in Baēna
Acrylmalerei auf Sackgewebe, 1996
60 x 80 cm
Der Künstler belässt das blanke
Stoffmaterial ungrundiert, zumal eine tastbare Erhebung in der Fläche,
beispielsweise durch einen Flicken oder eine wulstartige Naht verursacht,
schon Landschaftselemente suggerieren. Einige spartanisch gemalte
Helligkeiten für den „Himmel“ oder „spiegelndes Wasser“ lassen
zusammen mit dem unbemalten Rest die Illusion von Raum und Landschaft
entstehen. Auf diese Weise gewachsene Bilder erinnern an „Landschaften
des Südens“, an offene und karge Fluren von Ländern des Mittelmeers
– ganz im Gegensatz zum „ewigen Grün“ unserer mitteleuropäischen
Breiten.
Die Ausstellung „Momente
des Südens – Radierungen und Gemälde von Robert Reiter“
ist vom 10. Juli bis zum 2.
November 2009 im Egerland-Kulturhaus
zu sehen.
Die Vernissage findet am
Donnerstag, den 9. Juli 2009, um 19:00 Uhr statt.
Volker Dittmar M.A. und Robert
Reiter
|