EGERLAND - MUSEUM MARKTREDWITZ
weiß blau - Rund um Marktredwitz
Sonntag, 18. Dezember 2011, 15:30 Uhr,
Bayerisches Fernsehen
Eine einzigartige
Krippenausstellung in Privathäusern, ein Türschloß mit dem Doppeladler
Österreich-Ungarns darauf, ein großer Laden mit russischen Lebensmitteln?
Wo findet man all dies und noch mehr? Richtig, in der 17 000 – Einwohner -
Stadt Marktredwitz (Regierungsbezirk Oberfranken). Mehr über Kultur in und
Kulturgeschichte von Marktredwitz erfahren Sie in unserer Sendung.

Die oberfränkische Stadt Marktredwitz hat etwas über 17 000 Einwohner und
liegt nahe der Grenze zur Tschechischen Republik. In unmittelbarer
Nachbarschaft der Stadt befindet sich das Fichtelgebirge.
Weltoffen und multikulturell
zu sein, das behauptet
sicherlich so manche Stadt in Europa von sich. Bei Marktredwitz bleibt es
nicht bei einer Behauptung, was sowohl Geschichte als auch Gegenwart der
Stadt belegen können. So gehörte Marktredwitz mehr als 400 Jahre lang zur
Reichsstadt Eger (heute die tschechische Stadt „Cheb“), war in seiner
Geschichte teils unter katholischem, teils unter protestantischem Einfluß.
Im 18. Jahrhundert wurde gar eine österreichische Garnison hier
stationiert, für die Österreichs Kaiserin Maria Theresia eine eigene
Kirche (die einzige Barockkirche weit und breit in der Gegend) bauen ließ.
Wo man wiederum den eingangs zitierten Doppeladler findet. Im 20.
Jahrhundert kamen dann nach Kriegsende viele türkische Gastarbeiter (die
teils bis heute blieben) und gegen Ende des Jahrhunderts zahlreiche
Russlanddeutsche. Rund 1600 von ihnen leben heute in Marktredwitz (= fast
jeder zehnte Einwohner der Stadt), was wiederum die Existenz des eingangs
erwähnten russischen Lebensmittelladens erklärt. Und dass sowohl Wolfgang
von Goethe als auch Alexander von Humboldt - jeweils aus
Forscherinteresse an der einzigartigen Gesteinsvielfalt rund um
Marktredwitz - einst hier waren, haben wir bei alledem bislang noch nicht
einmal erwähnt. „Europastadt Marktredwitz“, so steht es auch auf der
Homepage der Stadt.

Im Jahr 2006 veranstalteten die tschechische Stadt Cheb und ihre
bayerische Nachbarstadt Marktredwitz die erste grenzüberschreitende
Gartenschau in Bayerns Geschichte. Auf unserem Foto sehen Sie das
ehemalige Gartenschaugelände, den heutigen Auenpark.
„Egerland, Heimatland“,
heißt der Refrain eines Schlagers des im Jahr 1999 verstorbenen Musikers
Ernst Mosch und seiner „Original Egerländer Musikanten“. In einem anderen
Liedtext heißt es: „An der Eger breitem Strand liegt mein schönes
Heimatland“. Doch wo liegt das Egerland, und was ist das überhaupt genau?
Seinen Namen hat es in jedem Fall von der heute tschechischen 34 000 –
Einwohner - Stadt „Cheb“. Die vor der Vertreibung der Egerländer und
anderer Deutschsprachiger noch „Eger“ hieß und heute wie damals rund 20
Kilometer leicht nordöstlich von Marktredwitz liegt. Die historische
Ausdehnung des Egerlandes war unterschiedlich, wird teils auch je nach
Blickwinkel in ihrer Größe verschieden „interpretiert“. Fest steht
jedenfalls, dass es seit dem Jahr 1973 bis heute ein „Egerland-Kulturhaus“
in Marktredwitz gibt. Ein kulturelles Zentrum der heimatvertriebenen
Egerländer, die sich zudem weiterhin regelmäßig aus allen Gegenden der
Welt in Marktredwitz zu Treffen zusammenfinden. Dieses Kulturzentrum
stellen wir in unserer Sendung vor.
Weihnachtskrippen in Privathäusern,
die gibt es vielerorts in Bayern. In der Regel sind sie klein bis winzig
und daher schnell „untergebracht“ auf einem Beistelltisch. Der würde für
die Privatkrippen auf dem „Marktredwitzer Krippenweg“ nicht ausreichen,
ganz sicher nicht sogar, denn die hier gemeinten Krippen haben oft die
Größe eines ganzen Zimmers. In der Blütezeit der Marktredwitzer
Landschaftskrippe, etwa um das Jahr 1900, wurden bis zu 100 Krippen in der
Stadt aufgestellt. Heute sind es nicht mehr ganz so viele, aber viel
Arbeit steckt weiterhin in jeder der Krippen. In der Weihnachtszeit sind
sie dann öffentlich zugänglich, und da vergisst man angesichts der
spielerischen Leichtigkeit des „Endprodukts“ ganz schnell, dass
monatelange Vorbereitung in all den Krippendetails steckt. Soll man
wahrscheinlich auch, es ist ja Weihnachten und man will sich beim
Anschauen der Krippen einfach nur freuen. In unserer Sendung führt der
Kripperer Albin Artmann ein Gespräch mit unserer Moderatorin Annett
Segerer zu diesem Thema. Und vor allem: wir zeigen viele schöne Details
der Krippen.

Albin Artmann ist
einer der Marktredwitzer, die sich jedes Jahr die Mühe machen, über
Wochen, wenn nicht Monate, an den Details ihrer Weihnachtskrippe zu
feilen, sägen, schnitzen und vieles mehr.
Ein 40 Quadratmeter großer Gobelin für die Kathedrale in
der englischen Stadt Chichester
stammt aus: Marktredwitz. Dort gibt es die „Fränkische
Gobelin Manufaktur“ von Ursula Benker-Schirmer. Und dort wiederum wurde in
drei Jahren Arbeit, vom Entwurf bis zur Fertigstellung, der eben erwähnte
Gobelin hergestellt. „So eine Aufgabe zu bekommen, ist ja eine
Herausforderung ohnegleichen für einen Künstler“, sagt Ursula
Benker-Schirmer. Noch heute leuchten dabei ihre Augen. In den 1980er
Jahren wurde der Gobelin für Chichester gemacht, und auch heute noch gibt
es die Gobelin-Manufaktur in Marktredwitz. Dank der Lebensenergie, die
Ursula Benker-Schirmer weiterhin hineinsteckt. Die inzwischen in reifem
Alter befindliche Dame stammt übrigens aus Ostpreußen und hat einst die
Kunsthochschulen in Halle an der Saale, in Berlin sowie in Nürnberg
besucht.

Ursula
Benker-Schirmer betreibt seit mehr als einem Vierteljahrhundert die
„Fränkische Gobelin-Manufaktur“ in Marktredwitz.
Einzelstücke werden hier gefertigt, nach Entwürfen renommierter, oft
international tätiger Künstler.
Genussregion Oberfranken
und mittendrin
Marktredwitz. Doch der Reihe nach: Oberfranken ist die Region auf der Welt
mit der höchsten Dichte an Brauereien, Bäckereien sowie Metzgereien. Von
jeder Sorte zeigen wir eine in unserer Sendung, beginnend mit der
Marktredwitzer Familienbrauerei Nothaft über die Bäckerei Schmidt bis hin
zur Metzgerei Zeitlhofer.

Wie in vielen Orten in Bayern mit vergleichbarer Größe gab es auch in
Marktredwitz früher einmal viele kleine Brauereien. Auch wenn es nicht
mehr so viele wie damals sind, es gibt noch lokale und regionale
Brauereien. In Marktredwitz findet man die Brauerei Nothhaft, die auf das
Jahr 1882 zurückgeht.
„Harmonie“
heißt eine russlanddeutsche Musikgruppe. Die vier Frauen
und zwei Männer singen bei Auftritten in Marktredwitz und Umgebung von
ihrer früheren Heimat. In Kasachstan. „Wir fühlen uns von kleinauf als
Deutsche, und da gehören auch unsere Lieder dazu“, sagt eine der
Sängerinnen im Gespräch mit unserer Moderatorin. Wobei auch das Gebiet
rund um die Wolga, wo sie früher wohnten, weiter eine zweite Heimat für
sie sei, sagt eine andere Sängerin. Und die dritte Sängerin ergänzt, daß
es ihr in Deutschland sehr gut gefällt. Die traditionell klingenden Lieder
singen sie vor allem deshalb, um gedanklich mit ihrer früheren Heimat in
Kontakt zu treten und Kulturerbe zu bewahren.
„Böhmische
Dörfer“
nennt man ja in der Regel Sachverhalte, die einem nicht so ganz schlüssig,
gar gänzlich gedanklich unzugänglich sind. Doch woher kommt diese
Metapher? „Palmström reist, mit einem Herrn von Korf, in ein sogenanntes
„Böhmisches Dorf“. Unverständlich bleibt ihm alles dort, von dem ersten
bis zum letzten Wort.“ Heißt es in dem Gedicht „Das böhmische Dorf“ des in
München geborenen Dichters Christian Morgenstern (1871 bis 1914). Noch
mehr Gedanken rund um „Böhmische Dörfer“ macht sich Wolfgang Binder in
unserer Sendung. Und warum er das ausgerechnet in Marktredwitz tut? Nun,
Böhmen ist von dort nicht weit.
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