EGERLAND - MUSEUM MARKTREDWITZ
Lesung
Mit
Literatur "dem Himmel ein Stück näher" kommen
Rainer W. Leonhardt
ist Tischler, Experte für historische Baumaterialien, Dozent, Autor - und
ein begeisterter Sammler von Texten aus der Weltliteratur, die sich im
weitesten Sinne auf Bauen und Baudenkmäler beziehen. Am Freitagabend
begeisterten er und sein Mitarbeiter Till Eichenauer bei einer Lesung im
Egerland-Museum ihr zahlreiches Publikum.

Diese Lesung, eine Kooperationsveranstaltung von Egerland-Museum und
Katholischer Erwachsenenbildung im Landkreis Wunsiedel, war in die
Sonderausstellung "Dem Himmel ein Stück näher" eingebunden,
die noch bis 11. Januar 2011 historische Fenster aus westböhmischen und
bayerischen Sammlungen zeigt. Oberbürgermeisterin Dr. Birgit Seelbinder würdigte
in ihrem Grußwort ausführlich den Gast aus Berlin Rainer W. Leonhardt,
der sich so unterschiedlichen Sujets wie historischem Bauen und der
Literatur verschrieben hat. Dass die Früchte seiner akribischen
Recherchen auf höchst anschauliche Weise dargestellt werden können,
bewies er an diesem Abend nicht allein: Den Löwenanteil der Lesearbeit
hatte sein Mitarbeiter Till Eichenauer übernommen, der bei Leonhardt
zurzeit ein Jahrespraktikum absolviert.
Wie schwierig es sein kann, auch nur sein eigenes kleines Häuschen zu
bauen, zeigte als Einstieg Eugen Roths Gedicht "Baupläne". Und
dann ging es quer durch alle Jahrhunderte: Da schwärmt zum Beispiel
Plinius der Jüngere bei der Beschreibung seines Laurentischen Guts so für
die modernen Fenster, dass er sie ganze 14 Mal erwähnt. Da verwebt Goethe
in seinen "Wahlverwandtschaften" die Tätigkeit eines Maurers
kunstvoll als Metapher für menschliche Beziehungen an sich. Auch sein berühmter
"Fensterblick" auf die Lavaströme am Abhang des Vesuvs (aus der
"Italienischen Reise") durfte nicht fehlen. Der gereifte Hermann
Hesse beteuert im "Bilderbuch der Erinnerungen": "In ein häßliches
oder auch nur gleichgültiges Haus wäre ich jetzt nicht mehr
gezogen..."

Ludwig Thomas fiktive Diskussion zwischen einem Bayern und einem
"Preißn" über die künftige Nutzung eines verfallenen Klosters
erforderte natürlich den Einsatz des waschechten Berliners Leonhardt: Ein
Highlight, mehr Rollenspiel als Lesung. Sogar ein Literaturrätsel hatte
Leonhardt dabei; die Dame aus dem Publikum, die die Textpassage dem
russischen Schriftsteller Tolstoi hatte zuordnen können, bekam das Werk
als Hörbuch überreicht.
Ein ausgezeichnetes mediterranes Büffet, das von Andrea Martens, einer
Mitarbeiterin des Egerland-Museums, bestückt worden war, rundete den
kurzweiligen Abend in gelungenster Weise ab. Humorvoll wurden die Gäste
am Ende verabschiedet: Joachim Ringelnatz' Gedicht über den Nagel, den
seine Gattin, die Messingschraube, mit einem windigen Häkchen betrügt,
dann aber wieder zu ihm zurückkehrt, zeigte nicht nur für Gebäude aller
Art: "Ja, alte Liebe, die rostet nicht."
Bilder: J. Geiger
Einladung
„Dem
Himmel ein Stück
näher"
- Historische Fenster aus westböhmischen und bayerischen Sammlungen
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