„Immer bin ich
bemüht gewesen,
mich ehrlich und ganz für die Kunst einzusetzen
und freue mich, dass ich mit einigen Pinselstrichen
zum gegenwärtigen Kunstschaffen beitragen konnte.“
Hans Zeitner, 1976

Es war ein bewegtes
Leben, im Schatten der Weltkriege, das mit Liebe zur eigenen Heimat, zur
Natur und zur Familie gemeistert wurde: Hans Zeitner
(1903-1979)
gilt nicht nur auf dem Gebiet des Malens
als Künstler. Schon in der Kindheit bemerkte man seine Vorliebe für
Zeichnungen und Bilder. Bis ins hohe Alter legte er den Zeichenstift nicht
aus der Hand. Durch diese unermüdliche Hingabe an die Kunst hat uns der
Marktredwitzer Maler ein umfassendes Lebenswerk hinterlassen: Ein wahres
Bilderbuch, in dem wir durch die Augen eines begnadeten Zeichners sehen
dürfen: Seine Familie, seine Kameraden, Menschen in und um Marktredwitz,
ferne Gebirgszüge und heimische Landschaften in Aquarell, Kreide, Kohle,
Bleistift oder Öl. Wer das simple Werk eines Kleinkünstlers erwartet, der
irrt. Hans Zeitners Werke fanden schon zu Lebzeiten weit über seine Heimat
hinaus Anklang: Mit seiner Kunst begeisterte er Menschen von Chemnitz bis
München, von Marktredwitz bis Frankreich. Und die Kunst begeisterte ihn.
Seinem Stil blieb er trotz des großen Erfolgs treu: Mit einem wunderbaren
Blick für Details und Farben suchte er Landschaften und Menschen, um sie
originalgetreu abzubilden. Er verstand es, sie in einer Momentaufnahme
festzuhalten. Kurzum: „Aus Heimat wird Kunst“.
Der Öffentlichkeit
weitgehend verborgen
geblieben
ist ein„Familienschatz“:
Künstlermappen
mit unzähligen hochwertigen Aquarellen
und Zeichnungen in unterschiedlichen Techniken.
Diese Werke
umfassen
die
Schaffenszeit von Hans Zeitner
über Jahrzehnte
hinweg
bis zu
seinem Lebensende im Jahr
1979.

Blick auf die
Kösseine vom Steinwald aus
Aquarell, nach 1950
Marktredwitz und
Umgebung - Eine Tour mit dem Zeichenblock
„… Am 29.
September 1903 wurde ich
in der Kleinstadt Marktredwitz
als das siebente Kind meiner Eltern geboren,
dem noch vier Geschwister folgten.“
Hans Zeitner war Zeit
seines Lebens in Marktredwitz zuhause:
Hier wurde er geboren,
hier
wuchs er auf, hier heiratete er
und hier starb er schließlich.
Er kannte diesen Ort,
seine Menschen und Eigenheiten, malte immer neue Seiten seiner Heimat,
nahm den Zeichenblock und
Malkasten mit in Stuben, Gärten, Landschaften
oder
Dörfer.
Hans Zeitner
besaß
die Gabe, die Schönheit des
Alltäglichen
aufzuzeigen.

Der Weißenbach bei Poppenreuth
Aquarell, nach 1950
Mit
Staffelei und
Palette
im Gepäck
„… Aufgewachsen in
einem bäuerlichen Anwesen,
konnte sich mein Vater von den Tieren nicht trennen.
Zur Futterbeschaffung mußten wir Kinder viel beitragen
und so wurden uns Feld, Wiese und Wald
und alles was sich dort vollzog, ja Inhalt unseres Lebens.“
Hans Zeitners Atelier
war die freie Natur:
Oft brach er zu
Wanderungen auf,
begleitet von Staffelei,
Farbkasten und Skizzenblock. Als Künstler suchte er stets interessante
Landschaften, Bauwerke und Menschen, deren Stimmungen und Charakterzüge.
Er wollte Alltag und Umgebung so darstellen, wie sie ihm „ungeschönt“
begegneten. Selbst Schnee
und Kälte hielten ihn nicht ab,
an der frischen Luft zu
malen.
Eines seiner liebsten Motive war
zweifellos
der Kösseinestock
und seine Umgebung. Aber auch benachbarte Ortschaften,
Landstriche
in unterschiedlichen Jahreszeiten oder Gewässer in Fichtelgebirge oder
Steinwald kann das
ortskundige Auge, dank dem sorgfältigen, detailgetreuen Stil gut erkennen.

Portrait einer alten Frau
Bleistiftzeichnung, um 1940
„Glück
im Unglück“ - Kriegsgefangenschaft in Frankreich
„Für mich ist es
ein großes Glück gewesen,
dass ich als Sanitäter nach Chamonix am Montblanc
in ein Kriegslazarett kam, wo ich auch 1944
in Gefangenschaft gekommen bin.
Auch hier leuchtete mir ein gütiger Stern.
Als ich im Auftrag der Lagerverwaltung
eine
Baracke als Kirche gestalten mußte,
besichtigte sie nach der Fertigstellung
ein bekannter französischer
Architekt aus Annecy.
Er holte mich in sein Atelier, wo ich ihm
bei vielen Aufträgen
behilflich sein konnte.“
Der Ausbruch des
Zweiten Weltkriegs 1939
führte dazu, dass auch
Hans Zeitner in den Krieg ziehen musste:
Fünf Jahre fort von der
Heimat, von denen er zwei Jahre
in französischer
Kriegsgefangenschaft im Lager von Annecy verbrachte.
Zum Glück konnte er hier das
tun, was seiner künstlerischen Berufung nahe kam. Nachdem man sein Talent
entdeckte, wurde er als „Dekorateur“
und „Ausstatter“
nach Schloss Chamonix abkommandiert. Später arbeitete er
als Zeichner bei einem Architekten. Aus dieser Zeit sind Bilder von Hans
Zeitner erhalten.
Auch nach dem Krieg brach
der Kontakt nach Frankreich nicht ab: Die Bilder, die er einer
französischen Familie überließ,
werden dort in höchsten
Ehren gehalten. Ein reger Briefkontakt, der von Zeitners Tochter
aufrechterhalten wird,
pflegt das gute
Verhältnis.

Historische Ortsansicht von
Marktredwitz-Dörflas mit Kösseine im Hintergrund
Aquarell, nach 1950
Familienportraits in
Kohle und Rötel
„… Trotz der
großen Kinderzahl
und den damit verbundenen Sorgen der Eltern,
möchte ich meine Kindheit glücklich nennen.
Wir waren ein zufriedenes, lustiges Völkchen…“
Hans Zeitner war
immer
für seine Familie da.
Schon als sein Vater
starb, gab er das ersehnte Kunststudium auf,
um für seine Mutter und
Geschwister zu sorgen.
Später, als er eine
eigene Familie gründete,
wurde seine Tochter
Ingeborg für den stolzen Vater
zum bevorzugten Modell:
Ob beim Planschen, Spielen oder friedlich schlafend,
Hans Zeitner malte seine
Tochter über viele Jahre hinweg. So konnte er ihr später eine Mappe voller
Bilder schenken, die Frau Ingeborg
Schott
bis heute wie einen Schatz
hütet.
Selbst in hohem Alter
hörte Hans Zeitner
nicht auf,
seine Familie zu malen:
Inzwischen Großvater, zeichnete er
jetzt auch seine
Enkelinnen.
Die Zuneigung wird
erwidert:
Auch heute, über 100 Jahre nach
seiner Geburt,
ist die Familie stolz auf
„ihren“ Hans Zeitner.
Männerportrait
Aquarell, um 1935
Als Maler hochbegabt
Hans Zeitner absolvierte eine
Lehre als Porzellanmaler, war Graveur und stieg zum Dekorentwerfer in der
Porzellanindustrie auf.
Neben seinem Beruf fand er Zeit und Muße, sich als Autodidakt der
geliebten Malerei zu widmen. Schon bald
erregte
er als begabter Maler bei
Sammlern, Galeristen und
Kunstprofessoren hohe Beachtung.
So erhielt
Hans Zeitner
das Angebot, in die Meisterklasse an der
Kunstakademie in München einzutreten.
Der Ausbruch
des Zweiten Weltkriegs
machte
diese Chance
zunichte. Nach dem Kriegsende
begann sein neuer künstlerischer Lebensabschnitt.
Er besuchte auf
seinen Reisen renommierte Kunstmuseen in Rom oder Paris und studierte
zahlreiche deutsche, holländische oder flämische Meister. Ob Dürer,
Cranach, Rembrandt, van Gogh oder Leibl: Sie alle sind in Zeitners
„Handschrift“ zu spüren. Als
Mitglied der Münchner
Künstlergenossenschaft war er
wiederholt
bei Ausstellungen im
Haus der Kunst in München vertreten. 1974 wurde ihm eine Einzelausstellung
im Egerland-Kulturhaus zuteil. Mit
einem besonderen
Ölgemälde aus dem Jahr 1949 ist
Hans Zeitner in der Egerländer Kunstgalerie vertreten. Es
stellt eine alte Egerländerin in
ihrer originalen Tracht dar. Dieses Bild hat geradezu symbolischen Wert,
war doch Marktredwitz über 475 Jahre staatspolitisch mit Eger verbunden.
Darüber hinaus ist Marktredwitz nach der Vertreibung für viele Egerländer
zur neuen Heimat geworden. Hans Zeitner ist außerdem wie kein anderer
Künstler von seiner unmittelbar an das Egerland angrenzenden Landschaft
geprägt. Somit ist es nicht verwunderlich, dass gerade Kunstliebhaber aus
unserem „Kulturraum Fichtelgebirge und Steinwald“ von seinen Motiven
fasziniert sind. Weil er sich keinem zeittypischen Kunststil unterwerfen
wollte, ist er sich und seinem Kunstverständnis gegenüber immer treu
geblieben. Wer sein Werk studiert, der erkennt Zeitners typische
Malweise, was sich
sicherlich positiv auf den Marktwert seiner Bilder auswirkt. Und so kann
man damals wie heute durchaus stolz sein, einen „echten Zeitner“ im
Wohnzimmer hängen zu haben.

Bauernhof in Manzenberg
Aquarell, nach 1950
Danksagung
Der Tochter, Frau Ingeborg Schott, und den Enkelinnen des Künstlers gilt
unser großer Dank. Sie stellten dankenswerter Weise ihren einzigartigen
Fundus mit Werken von Hans Zeitner für diese Ausstellung zur Verfügung.
Des Weiteren möchten wir uns herzlich bei der Galerie Brömse in
Franzensbad (Františkovy
Lázně) für die partnerschaftliche und fachliche Zusammenarbeit bedanken.
Für die Förderung des grenzüberschreitenden Ausstellungsprojekts
Geht der Dank an die Europäische Union (Ziel 3) und an das Bayerische
Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen.
Die Ausstellung „Aus
Heimat wird Kunst Der Maler
Hans Zeitner“
ist vom 30. März bis zum 1. Juli 2012 im Egerland-Kulturhaus zu sehen.
Kontakt:
Egerländer Kunstgalerie
Fikentscherstr. 24, 95615 Marktredwitz
Tel. 0049 (0) 92 31 / 39 07
info@egerlandmuseum.de
www.egerlandmuseum.de
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag, von 14:00 bis
17:00 Uhr
Sonderzeiten nach telefonischer Anmeldung