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Der
Dienst am Kurgast
Ein funktionierendes
Kurgewerbe war auf eine Schar von Hilfskräften angewiesen. Hunderte von
saisonal Beschäftigten fanden während der Kursaison in den böhmischen Bädern
eine Stellung. Sie arbeiteten als Kaffeemädchen und Köche, als Zimmermädchen
und Portiers, als Pferdeburschen und Oblatenverkäuferinnen, als
Blumenfrauen und Fiaker. Der Bädertourismus stellte für einen Großteil
der einheimischen Bevölkerung der umliegenden Gegenden eine wichtige
Existenzgrundlage dar. Viele von diesen Saisonkräften waren Frauen.
Hoteliers und Besitzer von Logierhäusern beschäftigten gern die ortsansässigen
Zimmermädchen, denn man hielt sie für kräftiger und arbeitswilliger als
fremdes Personal. Zudem waren die Lohnkosten bei einheimischen Personal
geringer. Wirtschaftlich abhängig vom Bädertourismus, mussten die Beschäftigten
die schlechten Arbeitsbedingungen wie lange Arbeitszeiten und geringes
Einkommen akzeptieren.
Als Beispiel für den Dienst am Kurgast steht ein Dokumenten-Neuzugang des
Egerland-Museums. Er gibt einen guten Einblick in das Leben des Dienstmädchens
Theresia Müller in den 20iger Jahren.

Theresia Müller (1. von rechts) im Kreise des
Dienstpersonals der Villa Steinsberg,
Franzensbad, um 1920
Der Sammlungsbestand umfasst zahlreiche Fotografien, Arbeitszeugnisse und
ein Dienstbotenbuch.
Theresia Müller wurde 1901 in Amonsgrün, Bezirk Marienbad geboren. Sie
verbrachte ihre Kindheit und Jugend in ihrem Elternhaus in Amonsgrün. Ihr
Vater betrieb dort eine kleine Landwirtschaft und besserte das geringe
Familieneinkommen mit gelegentlichen Maurertätigkeiten auf.
Mit einem Eintrag aus dem Jahr 1919 beginnt das Dienstbotenbuch von
Theresia Müller. Blättert man durch das Büchlein, erfährt man mehr von
ihren Stellungen als Zimmermädchen, Küchenmädchen oder Mädchen für
alles in den Franzensbader und Marienbader Kurhotels.

Auszug aus dem Dienstbotenbuch der Theresia Müller,
1919/1920
Ein Dienstzeugnis von 1920, ausgestellt von der Hausbesitzerin Dora
Steinsberg, beschreibt ihre Tätigkeit als Küchenmädchen in der Villa
Steinsberg mit den Worten: „ (...) war treu, geschickt und unermüdlich
fleißig und von besten Betragen.“ Ein weiteres Arbeitszeugnis aus dem
Jahr 1929 vom Kurhaus Hubertusburg in Marienbad lobt ihre Tätigkeit als
Stubenmädchen: „Sie hat in dieser Zeit Ihren Dienst stets mit
besonderen Fleiss, Sauberkeit und Ehrlichkeit versehen und hat sich
besonders durch ihr freundliches, williges Wesen volle Zufriedenheit
erworben. Sie verlässt den Posten wegen Säisonschluss gesund und
lohnbefriedigt.“

Hochzeitsbild von Theresia Müller und Franz
Ferdinand Stingl, 1930
Theresia Müller heiratete 1930 den Hoferben Franz Ferdinand Stingl aus
Miltigau. Zu diesen Zeitpunkt gab sie ihre Stellung als Dienstmädchen auf
und war von nun an nur noch als Hofbäuerin tätig. 1946 wurde sie mit
ihrem Sohn Willibald wie viele andere aus dem Egerland vertrieben. Nach
einigen Jahren im Lager in Deiningen, Kreis Nördlingen, fand sie schließlich
mit ihrer Familie eine neue Heimat in Nördlingen. 1982 verstarb Theresia
Stingl, geb. Müller.
Carola Reul, M. A.
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag, von 14:00 bis 17:00 Uhr
Über den Krippenweg vom 26.12.2009 bis 06.01.2010:
Montag bis Sonntag, von 10:00 bis 18:00 Uhr
Geschlossen am 24. und 25.12.2009 sowie am 31.12.2009
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