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Die
lange Reise eines Zinnkruges
Seit einiger Zeit befindet sich in
der Sammlung des Egerland-Museums ein Zinnkrug, ein sogenannter „Lirlkrug“.
Inventarisiert und aufgenommen in den Bestand des Museums, steht er unauffällig
neben den anderen Zinnkrügen. Könnte er aber sprechen, würde er uns die
Geschichte seiner langen Reise erzählen – einer Reise von Brasilien
nach Marktredwitz.
Ein Egerländer, den es beruflich
nach Brasilien verschlagen hatte, entdeckte beim Besuch des Zinn-Museums
der Firma Somers in São João del Rey, Minas Gerais einen Egerländer
Zinnkrug, beschrieben als „Egerer Lirlkrug“.
Lirlkrüge stellen eine Egerer
Besonderheit dar. Sie kamen im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts und
Anfang des 19. Jahrhunderts in Eger auf und befanden sich 1945 noch in
vielen Egerländer Haushalten. Das birnenförmige Gefäß mit einem
geraden, verschließbaren Röhrenausguss und verschraubbaren Deckel mit
Tragegriff war als Transportkanne sehr gut geeignet und beliebt.
Im Boden des entdeckten Kruges war
die Jahreszahl 1841 und, der Name des Zinngießermeisters „Johann
Becker“ eingeschlagen. Überrascht von diesem heimatlichen Fund, wollte
er den Zinnkrug als Erinnerung an seine alte Egerländer Heimat erwerben.
Da der Krug aber unverkäuflich war, fasste er den Entschluss eine Kopie
dieses Kruges in einer sehr teuren Einzelanfertigung herstellen zu lassen.
Mit dem Egerer Lirlkrug in seinem Reisegepäck kehrte er schließlich nach
Deutschland zurück. Jahre später schenkte er ihn dem Egerland-Museum.
Aber warum war es dem
heimatvertriebenen Egerländer – trotz der hohen Kosten – so wichtig,
einen Egerer Lirlkrug zu besitzen? Es gibt viele Strategien, mit denen man
versucht den Heimatverlust zu verarbeiten. Der Besuch von Heimattreffen,
die künstlerische Umsetzung des Erlebten, die Reise in die Heimat oder
die heimatliche Ausgestaltung der neuen Umgebung, wie bei unserem
nachgebildeten Zinnkrug.
Wie übrigens der Egerer Lirlkrug
nach Brasilien gelangt ist, konnte der Zinngießer Herr Somer in São João
del Rey, Minas Gerais nicht erklären.
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