Die
Glocke von Gfell
„Franciscus
Antonius Frank me fudet – Praga 1763“, so lautet die Inschrift einer
Glocke, die sich seit kurzen im Bestand des Egerland-Museums in
Marktredwitz befindet. Ursprünglich stammt die Bronzeglocke, die nachträglich
mit dem Bildnis der Mutter Maria mit dem Jesuskind und mit St. Florian,
den Schutzpatron der Feuerwehren verziert wurde, aus der kleinen Ortschaft
Gfell bei Schlackenwerth. Dort befand sie sich zuerst vermutlich auf der
Dorfkapelle beim Gfellner Schlösschen. Später wurde die Glocke auf dem
Dachreiter des Hauses Nr. 9 versetzt, bis sie schließlich im Jahr 1907
ihre letzte Station auf dem neu errichteten Gemeindehaus, Feuerwehrmagazin
Nr. 45 erhielt.

Bronzeglocke
von Gfell, 1763
Neuzugang
des Egerland-Museums Marktredwitz
Betrachtet man die Glocke, so werden Erinnerungen an die alte Heimat wach.
Wehmütig glaubt man noch das dreimal tägliche Gebetsläuten der
Dorfglocke zu hören, das einstündige Glockengeläut, das den Leichenzug
durch die Ortschaft begleitete oder auch an den Klang der Dorfglocke, wenn
sie bei Feldmessen, am Kriegerdenkmal und bei schweren Feuersbrünsten und
Gewittern läutete.
Glücklicherweise hatte die Gfellner Dorfglocke zwei Weltkriege überstanden.
Nur durch die Fürsprache des damaligen Gemeindevorstehers Wenzl Maneth,
blieb die Gfellner Dorfglocke von der Konfiszierung im 1. Weltkrieg
verschont und auch den 2. Weltkrieg überlebte die Glocke unbeschadet. Man
erinnert sich, dass am 8. Mai 1945, am Tag der Kapitulation, die Glocke
zum letzten Mal im Gfell geläutet
haben soll.
Aber was passierte mit der lieb gewonnenen Dorfglocke in den folgenden
Jahren? Gfellner Bewohner, die im September 1946 ihr Dorf verlassen
mussten, berichteten, dass sich zu dieser Zeit die Glocke noch auf dem
Dachreiter des Gemeindehauses befand. Doch im Jahr 1972, bei dem ersten
Besuch wieder in der alten Heimat, befand sich der Dachreiter mit Glocke
nicht mehr auf dem Gemeindehaus. Ein schweres Unwetter hatte die
Dorfglocke vom Dach gerissen, leicht beschädigt wurde sie daraufhin in
das ehemalige Spritzen-Magazin untergestellt. Doch dann verlieren sich die
Spuren der Gfellner Glocke. Erst nach 1990 begab sich der Ortsbetreuer der
Heimatgemeinde Gfell, Herr Franz Maneth, wieder auf die Suche nach der
verschwundenen Dorfglocke. Nach mehreren Hinweisen, aber auch durch die
tatkräftige Unterstützung und Engagement von Frau Cibulkova, der Bürgermeisterin
von Strelitz (Strelice), konnte die Glocke von Gfell wieder entdeckt und
von der Kirchengemeinde Ostrov erworben werden. So gelangte die lang
verschwundene Glocke am Karfreitag 2008, nach Abschluss des Schengener
Abkommens, unbeschadet wieder in die Hände der Gfellner Dorfgemeinde.
Seit 17. Mai 2010 befindet sich nun die Glocke der Heimatgemeinde Gfell im
Bestand des Egerland-Museums.

Übergabe
der Gfellner Glocke am 17. Mai 2010 in Marktredwitz
Erich
Lihl, Helene Cibulkova, Museumsleiter Volker Dittmar, Franz Maneth,
Gemeindebetreuer von Gfell. (v.l.n.r)
Wir möchten uns recht herzlich bedanken für die nette und konstruktive
Zusammenarbeit. Unser besonderer Dank gilt Herrn Franz Maneth, der mit
Engagement und großer Einsatzbereitschaft dem Egerland-Museum dieses wertvolle Objekt übergeben hat.
Nochmals vielen Dank!
Carola Reul M.A.
Egerland-Museum Marktredwitz
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag, von 14:00 bis 17:00 Uhr
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