EGERLAND - MUSEUM MARKTREDWITZ
Thema
des Monats April 2003
Das Hochzeitskleid im Wandel der Zeit
„Wer träumt nicht von einer romantischen Hochzeit ganz in Weiß?, so
die Frage in der Sonderbeilage einer Tageszeitung zum Thema
„Hochzeit“. Ein weißes Hochzeitskleid erscheint für uns heute
selbstverständlich. Blättert man aber in der Photosammlung des
Egerland-Museums, entdeckt man die unterschiedlichsten Hochzeitskleider:
Man sieht Bräute in schwarzen Kleidern oder einfachen Kostümen, andere
mit aufwendig gearbeiteten weißen Hochzeitsroben oder auch Paare in der
Egerländer Hochzeitstracht.
Das Braukleid war zu allen Zeiten eher ein Ausdruck der jeweiligen Mode,
seltener ein traditions- oder religionsbeladenes Symbol. Im. 15. Jahrhundert
trat die Braut mit einem farbigen Hochzeitskleid vor den Altar, aber auch
Stoffe aus Silber- oder Goldbrokat waren üblich. So trug Maria Sforza bei
ihrer Vermählung mit Maximilian I. im Jahr 1493 ein rotseidenen
Brautkleid. Im 16. Jahrhundert wurden, beeinflußt durch die
spanische Mode, schwarze Brautkleider bevorzugt. Eine vornehme Braut in
Regensburg trug Mitte des 17. Jahrhunderts einen meergrünen
Unterrock, ihr Kleid – Rock und Wams – war aus pfirsichblütenfarbenem
Seidenmoiré, und zu rotseidenem, goldverzierten Strümpfen gehörten weiße,
mit rotem Samt und Goldspitze besetzte Schuhe. Die Mode, ein weißes
Brautkleid zu tragen, lässt sich nur bis zum Ende des 17. Jahrhunderts
zurückverfolgen. Diese Beispiele zeigen, wie sehr die Hochzeitskleidung
immer schon den modischen Strömungen, aber auch der sozialen Stellung der
Braut unterworfen war.
Frauen aus kleinbürgerlichen Kreisen heirateten bis in das 20.
Jahrhundert hinein meist in einem schwarzen Kleid mit weißem Schleier
oder wählten ein einfaches Festtagskleid. Nur der Schleier und
Myrtenkranz bekundeten das Besondere dieses Anlasses. Aus dem
schwarzen Tuch- oder Seidenkleid, das für die künftigen Jahre als gutes
Gewand dienen musste, bestand die Festtagskleidung der Frau ein ganzes
Leben hindurch.
Bei Hochzeiten auf dem Land wurde oft bis in das 20. Jahrhundert in der
regionalen Tracht vor den Altar getreten. Photographien aus den 30er und
auch aus den 50er Jahren zeigen Brautpaare in der Egerländer
Hochzeitstracht. Die Braut trug zu der egerischen Bauerntracht einen Pelz,
über den ein langer, schwarzer und rotgefütterter Mantel mit einem
stehenden, steifen und mit schwarzen Spitzen verzierter Kragen getragen
wurde. Die Haare waren zu einem Zopf gebunden und wurden im Nacken mit
einer roten und einer schwarzen Schleife zusammengehalten. Das „Glockenbändl“
wurde von der Braut als auch von den „Kranzljungfern“ um die Stirn
gelegt. Dieser Kopfschmuck bestand aus kleinen Blechschildern, den „Läubln“,
verschiedenen geschnittenen und ornamental verzierten Laubblättern,
dessen herabhängende vergoldete Blättchen beim Schreiten oder Berühren
einen leisen Klang von sich gaben. Dazu trug die Braut auf dem Kopf eine
kleine Krone aus Gold- oder Silberdraht, reichlich mit verschiedenen gefärbten
Steinen und Glasperlen besetzt, die mit den eingefügten roten
Seidenrosetten harmonierten.
Erst in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts kam nach und nach das weiße
Brautkleid in Mode. Nach adeligem Vorbild heiratete die vornehme Braut in
einem hellen Hochzeitskleid und einen Myrtenkranz im Haar. Dass neben
Reinweiß auch Creme eine beliebte Brautfarbe wurde, geht auf ästhetische
Rücksichten zurück. „Wenn Weißzeug mit Fleischfarbe gehörig
harmonieren soll, muß es zum Gelblichem, nicht zum Bläulichen neigen“,
schreiben Müller/Baumgärtner 1805. Der Schleier, den man mit einem weißen
Hochzeitskleid verbindet und der seit dem 4. Jahrhundert als ein
Symbol der Reinheit gilt, fand mit Beginn des 19. Jahrhunderts seine
allgemeine Verbreitung.
Prinzessin Sonja Trubetzkoi entsprach bei ihrer Vermählung
mit dem Grafen Alexander Kolowrat dem Modeideal einer eleganten Braut der
20er Jahre. Als Dame aus besseren Kreisen heiratete sie in einem kostbaren
Pariser Modellkleid. Das Brautkleid mit seinem geraden Schnitt, der langen
Schleppe und dem aufwendigen künstlichen Myrtenschmuck erregte damals
soviel Aufmerksamkeit, dass sogar ein Wiener Modejournal „Die Wiener
Mode“ 1923 von dem gesellschaftlichen Ereignis mit zahlreichen Aufnahmen
der eleganten Braut berichtete.
Ein weißes Brautkleid mit Schleier stand natürlich nur der jungfräulichen
Braut zu. Ein „gefallenes Mädchen“ konnte es sich nicht erlauben
„in Weiß“ zu heiraten. Witwen und geschiedenen Frauen war dies
ebenfalls untersagt. Der Braut im Egerland war es nicht gestattet, die
Hochzeitskrone zu tragen, wenn sie bereits vor der Eheschließung ein Kind
geboren hatte. Sie musste stattdessen eine Mütze als Kopfschmuck wählen.
Carola Reul M.A., wiss.
Mitarbeiterin
Egerland-Museum
Marktredwitz
Literatur:
Bartl, Ernst: Das große Bekenntnis zur Heimat, in:
Der Egerländer, Folge 9, Geislingen 1953.
Braun, Hermann: Das Brauchtum des Lebenskreises, in:
Eger und das Egerland, Volkskunst und Brauchtum, München-Wien 1988, S.
351-371.
Deneke, Bernward: hochzeit, München 1971.
Fritsch, Leni und Singer, Friedrich: Die Egerer
Volkstracht um 1800 und ihre Erneuerungen, in: Eger und das Egerland,
Volkskunst und Brauchtum, München-Wien 1988, S.216-240.
Schmidt, Leopold: Hochzeitsbrauch im Wandel der
Gegenwart, Mitteilungen des Instituts für Gegenwartskunde, Nr. 4, Wien
1976.
Heil, Seff: Egerländer Hochzeitsbräuche um 1820, o.
Ort, o. Jahr.
Rauchbauer von, Judith: Kleidung gestern und heute.
200 Jahre Kleidungsgeschichte, eine Abteilung im Stadtmuseum Amberg, Bd.
23, München 1995.
Weber, Peter: Hochzeit im Wandel, o. Ort. o. Jahr.
Weber-Kellermann, Ingeborg: Frauenleben, Frankfurt
1982.
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