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Eine
Karlsbader Karaffe und die Glasschneidekunst im Egerland
„Glas aus dem
Egerland“ ist ein weiträumiges Thema und eng mit dem Kurwesen
verbunden. Karlsbad gilt als die älteste Kurstadt des sogenannten „Bäderdreiecks“.
Der Sage nach wurden die heißen Quellen 1347 durch Kaiser Karl IV. bei
einer Hirschjagd entdeckt. Kurze Zeit später entstand hier eine Siedlung,
die 1370 Stadtrecht erhielt. Erste adelige Kurgäste sind bereits für das
15. Jahrhundert nachgewiesen. 1759 wurde die Stadt nach einem Großbrand
neu aufgebaut. Die Bäderreise, ursprünglich ein Privileg adeliger
Schichten, wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu einem Statussymbol des
aufstrebenden Bürgertums. Letztendlich setzte sich im 18. Jahrhundert die
Trinkkur gegenüber der Badekur durch. Das wirkte sich gravierend auf die
städtebauliche Entwicklung des Architekturtyps „Kurstadt“ aus. Weil
die Ärzte das Trinken direkt an den Quellen empfahlen, wurden diese zu
Brunnentempeln, Pavillons und Wandelhallen umgebaut. Ansichten dieser repräsentativen
Bauten finden sich jetzt auf vielen Souvenir-Gegenständen wieder. Auch
die Bade- und Andenkengläser wurden je nach Kaufkraft des Gastes mit
Veduten, Architekturmotiven oder sogar mit figürlichen Szenen und
Portraitdarstellungen verziert. Dabei muss festgehalten werden, dass Gläser
dieser Art überwiegend in den Glashütten Nordböhmens geblasen und als
„Halbware“ in die Badeorte geliefert wurden. Hier erfolgte vor Ort die
Raffinierung, also die Verzierung der Hohlgläser mittels Glasschnitt und
Gravur.
Üblicherweise wurde neben den typischen Badebechern
in den Geschäften eine große Bandbreite von Gläsern angeboten. So
bestand in dieser Zeit ein Gläserservice aus einer großen und kleinen
Karaffe, Gläser für verschiedene Weinsorten, Punsch und Likör.

Karlsbader Glaskaraffe mit vier erhaben
geschnittenen Medaillons. Sie zeigen verschiedene Brunnenanlagen aus der
Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts.
Die hier vorgestellte
Likörkaraffe stammt aus der Sammlung von Dr. Walter und Edita Becher, die
vor einigen Jahren dem Egerland-Museum übereignet wurde. Das bauchige
farblose Glasgefäß, das wohl im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts in
Karlsbad entstand, verwandelte der Glasschneider zunächst durch den
Formschliff in einen facettierten Gefäßkörper: Aus etwas Rundem wurde
also etwas Eckiges. Ein ebenfalls facettierter Stöpsel dient als
luftdichter Verschluss. Am plangeschliffenen Boden wurde mittels
Keilschliff eine Rosette eingeschnitten. Durch den sogenannten Hochschliff
brachte man an der bauchigen Wandung vier erhabene ovale Medaillons an.
Sie zeigen auf rubinrotem Grund in Goldmalerei angelegte ortstypische
Karlsbader Brunnenansichten mit den Aufschriften: „Mühl- und Neubrunn“,
„Schloßbrunn“, „Sprudel in Karlsbad“ und „Marktbrunn“. Die
Gefäßwandung besticht durch florale rotgebeizte Rankenmuster, die durch
Gold-Emailmalerei erhöht wurden.
Mitte des 19.
Jahrhunderts erlebte der Souvenirhandel in den westböhmischen Bädern
seinen Höhepunkt. Ob Mattoni, Pfeiffer, Hofmann oder Moser, um nur einige
Karlsbader Glasschleifer zu nennen: Sie alle arbeiteten mit großem Erfolg
an ihren Jagdstücken, Veduten, Wappen oder Schriftzügen, allerdings in
den wenigsten Fällen an Portraits hochrangiger Persönlichkeiten. Dies
sollte einem Dominik Biemann in Franzensbad vorbehalten bleiben, der
dieses Genre in Perfektion beherrschte.
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