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Krippenkunst
aus Königsberg
Passend zur
Weihnachtszeit wird ein besonderes Museumsstück aus der Reihe „Geborgen
und verborgen“ vorgestellt. Es stammt diesmal aus dem Depot eines
passionierten Sammlers und ist nur für kurze Zeit der Ausstellung „Alte
Krippen aus Böhmen“ im Egerland-Museum zu sehen. Das Egerland gilt als
eine der vielseitigsten Krippenlandschaften Mitteleuropas. Besonders häufig
waren hier die Kastenkrippen verbreitet. Sie werden im Volksmund auch als
so genannte „Faulenzerkrippen“ bezeichnet, da man nur einmal eine
Krippenszene meist in Verbindung mit einem abgestuften Berg in einen
verglasten Kasten setzte. Die Figuren haben also ihren unverrückbaren
festen Platz in einer eng begrenzten Landschaft. Eine Besonderheit unter
den Kastenkrippen bildete sich in der Gegend um Königsberg an der Eger
(heute Kynšperk nad Ohří)
heraus. Bei der kleinen Königsberger Kastenkrippe (B 42 cm, T
22 cm, H 28 cm) fallen vor allem die filigranen Miniaturschnitzereien und
das fein gemalte Landschaftsbild ins Auge. Hinter einer Rückwandabdeckung
verborgen findet man den Namen des Schnitzers, seine Herkunft und das
Entstehungsjahr: „Josef Dellinger. Königsberg a.d.E. 1918“.

Kleine Königsberger Kastenkrippe aus dem Jahr 1919,
mit Miniaturschnitzereien von Josef Dellinger.
Sammlung Karl Schenkl, Pullenreuth
Betrachtet man die winzig kleinen, nur etwa 2 bis 4 Zentimeter hohen
und aus feinfaserigem Pfaffenhütchenholz geschnitzten Krippenfiguren, ist
die Bezeichnung „Königsberger Krippenkunst“ durchaus gerechtfertigt.
Ab dem Ende des 18. Jahrhunderts bis weit in das 20. Jahrhundert hinein
ist diese besonders feine Schnitzkunst nachweisbar. Ihr Ursprung geht wohl
auf eine ältere Miniaturschnitzerei des 18. Jahrhunderts zurück, die
sich in Eger entwickelt haben dürfte. Dafür sprechen beispielsweise die
Werke des nach 1700 bekannten Tabernakelschnitzers und Bildhauers Andreas
Bürgl (oder Burgl). Eine seiner bedeutenden Miniaturschnitzereien findet
man in der Klosterkirche Waldsassen, im Tabernakelaufsatz des
Bernhardaltars. Die filigrane Schnitzerei blieb größtenteils unbemalt.
Diese Art der Miniaturschnitzerei hatte auch in Königsberg an der Eger Fuß
gefasst. Die Grundlagen waren durch ein ausgeprägtes Möbelschreiner- und
Bildhauerhandwerk gegeben. Bis in das 20. Jahrhundert hinein betätigten
sich viele Handwerker aus unterschiedlichsten Berufen als
Krippenschnitzer. Ob Postbote, Friseur oder Polizist: Sie alle zeigten
eine für Laienschnitzer herausragende Begabung. Ihre Figuren wirken
lebendig und bewegt. Anatomisch korrekt ist die Körperhaltung beim
Schreiten, Hutabnehmen und Knien. Manche Darstellungen wurden gerne von
anderen Schnitzern kopiert und in vielen Krippen übernommen. Besonders
beeindruckend erscheinen die Bauern in Egerländer Tracht oder die
Schalmeispieler und Dudelsackbläser.
Bei der Königsberger Schnitzkunst kann man von einer wahren Geduldsarbeit
sprechen, denn je kleiner die Figur ist, desto größer musste die
handwerkliche Routine und Konzentration des Schnitzers gewesen sein.
Entweder entstanden Figuren aus einem Stück oder man setzte geschickt in
einer Kleidungsfalte Arme, Beine oder Hände an. Kleine Schnitzwerkzeuge
wurden in Eigenregie aus dem Stahl von Regenschirmstäbchen oder Nähmaschinennadeln
gefertigt. Heute sind die noch erhaltenen Königsberger Krippenkästen
aufgrund ihrer handwerklichen Qualität und Rarität nur selten in öffentlichen
Sammlungen anzutreffen.
Volker Dittmar M.A.
Museumsleiter
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag, von 14:00 bis 17:00 Uhr
Über den Krippenweg vom 26.12.2009 bis 06.01.2010:
Montag bis Sonntag, von 10:00 bis 18:00 Uhr
Geschlossen am 24. und 25.12.2009 sowie am 31.12.2009
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