„Eine
Krippe für die Stubenecke“
Erste
Anfänge
Frühe
Wandmalereien des 4. Jahrhunderts bezeugen die Geburt Christi. Eine erste
Verehrung ist für das 7. Jahrhundert in Rom belegt. Hier wurde in der
Kirche Santa Maria Maggiore ein Steinpartikel aus der Geburtsgrotte in
Bethlehem als Reliquie aufbewahrt und ein einfacher hölzerner Trog
aufgestellt. Ein grundlegender Versuch, das Geheimnis der Geburt Christi
verständlicher darzustellen, stammt vom Heiligen Franziskus. Er feierte
im Jahr 1223 die Heilige Nacht nicht in der Kirche, sondern inszenierte
das Geschehen im Wald von Greccio. Gerne wird der Heilige als
„Erfinder“ der Weihnachtskrippe bezeichnet, was aber keineswegs
zutrifft. Vielmehr ist diese Darstellung als „neues“ liturgisches
Schauspiel zu verstehen.
Die
Entwicklung der Krippe
Ausschlaggebend
für die Verbreitung der Krippen war das Konzil von Trient (1545 –
1563). Danach sollten die Mysterien des Glaubens auf bildhafte Weise
vermittelt werden. Das Volk sollte schauen und bewundern. Die Jesuiten
setzten diese Forderung in die Tat um. Frühe Kirchen-Krippen wurden 1559
in Köln, 1560 in Portugal oder 1562 in Prag aufgestellt. In der Folgezeit
entstanden zahlreiche Jesuiten-Krippen auch in Übersee. Gleichzeitig sind
vereinzelt private Krippen des Adels überliefert. Künstler wurden für
den Krippenbau angeworben. Etwa ab 1750 hielten Krippen Einzug in bürgerliche
Wohnungen. Jetzt übernahmen versierte Handwerker, aber auch geschickte
Laien den Krippenbau. Wie in den übrigen Ländern der böhmischen Krone
ist die Geschichte der Krippe eng mit der Missionstätigkeit des
Jesuitenordens verknüpft. Vermutlich dürfte bereits im Jahr 1629
eine erste Krippenszene in der Niklaskirche in Eger installiert
worden sein. Ab 1638 ist hier ein ständiger Krippenbrauch bzw. eine
Kirchenkrippe belegt.
Krippenverbot und die Folgen
Die Anhänger der Aufklärung reduzierten gegen Ende des 18.
Jahrhunderts das kirchliche Brauchtum. Es hieß, die Krippe sei kindlich
und unvernünftig und stehe dem wahren Glauben im Weg. So erließ
beispielsweise Joseph II. ein generelles Krippenverbot. Die auflehnende
Haltung des Volkes bewirkte bis 1823 die Aufhebung der Verbote. Jetzt
entstand für private Haushalte ein großer Bedarf an Krippen, was im
Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts zu Massenproduktionen führte.
Eine Rarität im Egerland-Museum
Bemerkenswert für das Egerland waren die häufig anzutreffenden und
von ihrer Form her vielfältigen Kastenkrippen. Sie werden im Volksmund
auch als so genannte „Faulenzerkrippen“ bezeichnet, da man nur einmal
eine Krippenszene meist in Verbindung mit einem abgestuften Krippenberg in
einen verglasten Kasten setzte. Die Figuren haben also ihren unverrückbaren
festen Platz in einer eng begrenzten Landschaft. Sie wurden aus
unterschiedlichsten Materialien geformt. Teils bildeten sich regionale
Besonderheiten heraus, wie beispielsweise die Kastenkrippen mit kleinen
bemalten Porzellanfiguren in der Gegend um Elbogen und Schlaggenwald oder
die winzig kleinen, aus Pfaffenhütchenholz geschnitzten Krippenfiguren
aus Königsberg an der Eger. Heute nur noch selten anzutreffen sind
Krippenfiguren, die aus einer Art Brotteig und mittels Modelformen gedrückt,
getrocknet und farbig bemalt wurden. Eine zwar sehr preisgünstige,
wenngleich nicht lange haltbare Variante. Feuchtigkeit und Wurmfraß
konnten in wenigen Jahren den kleinen Kunstwerken den Garaus machen. Umso
erfreulicher ist die Tatsache, dass vor einigen Jahren ein derart seltenes
Objekt den Weg aus dem Kunsthandel in das Egerland-Museum fand. Es handelt
sich um eine sogenannte Eckkastenkrippe. Der Name verdeutlicht bereits,
dass dieses Gehäuse aufgrund seiner Form besonders für beengte Wohnverhältnisse
bestens geeignet war, ließ sich die Kastenkrippe doch platzsparend in
einer Stubenecke unterbringen.

Eckkastengrippe
aus dem Egerland
Dichtes
Gedränge herrscht um den Geburtsstall mit der Heiligen Familie: Links
warten die Heiligen drei Könige mit ihren Geschenken auf. Unzählige
weitere Gabenbringer, Hirten, Musikanten mit Schalmei oder Dudelsack,
verschiedene Tiere und schließlich der Verkündigungsengel besetzen den
Krippenberg, der in der Stadt Jerusalem gipfelt. Der spitz zulaufende
Hintergrund ist mittels Wasserfarben-Malerei als orientalische Landschaft
angelegt. Alles in allem ein lebendiges buntes und überaus reichhaltiges
ikonografisches Programm auf engstem Raum. Brot- bzw. Teigfiguren dieser
Art waren unter anderem sowohl im Erzgebirge, als auch wie in diesem Fall
in der Gegend um Příbram, das
etwa 60 Kilometer südwestlich von Pilsen liegt,
verbreitet. Hier befindet sich in
der Nähe der Heilige Berg mit seiner Marienwallfahrtsstätte.
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