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Osterratschen
und Aufpeitschruten -
Von Osterbräuchen im Egerland
„Mit
der Palmkatzenweihe am Palmsonntag begann die Osterzeit, mit der
Erstkommunion am Weißen Sonntag endete sie.“
Künstlerpostkarte
von Gustav Zindel
„Frohe Ostern“ (Inv.Nr. 9014)
Im
Egerland war die Osterzeit geprägt von den verschiedensten Bräuchen.
Wirft man einen Blick in das Depot des Egerland-Museums, dann erzählen
Osterratschen, Rumpelkästen und Aufpeitschruten von diesen alten Osterbräuchen.
Erinnerungen werden wach vom letzten Läuten der Glocken am Gründonnerstag,
vom grünen Essen (Brunnenkresse-Salat, Brennnessel-Salat) an diesem Tag,
vom Ratschen in den Kartagen, von der Anbetung am heiligen Grab, von der
Auferstehungsfeier, vom Eierpeitschen am Ostermontag und von vielem mehr.

Rumpelkasten (Inv.Nr.225) und Osterratsche (Inv.Nr.
226)
Das
Osterratschen der Buben war ein straff durchorganisierter Brauch. Am Gründonnerstag
verstummten zum Zeichen der Wehmut und Trauer über den Kreuzestod Christi
die Glocken und der Orgelklang in der katholischen Kirche. Während der
Abwesenheit der Glocken ersetzten im Egerland „Ratschenbuben“, auch
„Klappara“ oder Schnarrnboum“ genannt, das Glockengeläute durch das
Lärmen ihrer aus Holz gebauten Ratschen, Rumpeln, Kästen oder
Schubklappern. Dreimal zogen sie täglich ratschend und rumpelnd durch das
Dorf, um die Gläubigen früh, mittags und abends zum Gottesdienst zu
rufen. Der Stolz eines jeden Buben war es einen Ratschenbock zu besitzen.
Aber auch unter diesen hölzernen Lärmgeräten gab es eine strenge
Hierarchie. Träger von Handratschen und Klappern genossen weniger
Ansehen, wie die meist größeren Jungen, die mit „Kuhmäulern“ und
Ratschenböcken im Zug standen. Als Lohn für diese „Arbeit“ sammelten
die Jungen dann von den Dorfbewohnern am Karsamstag Gaben und
Geldgeschenke ein, die sie untereinander je nach Leistung aufteilten.
Wer
erinnert sich noch an das „Aufpeitschen“ am Morgen des Ostermontags?
In den dem engeren Egerland benachbarten Gegenden um Karlsbad und Falkenau
spielte der “Schlag mit der Lebensrute“ eine wichtige Rolle. Mit einer
aus sieben gelben Weiden geflochtenen Rute ging es los zum
„Aufpeitschen“. Wichtig war es, sich früh morgens auf den Weg zu
machen, erzählt ein Egerländer, denn „faule Aufpeitschbuben kriegten
nichts mehr“.

Geschmückte Weidenrute zum “Aufpeitschen“ (Inv.Nr.
229)
„Rote,
rote Eier raus,/ eins, zwei, drei raus/ bin der kleine König/ gebt mir
nicht zu wenig/ lasst mich nicht zu lange steh`n/ muss a Häusel weiter
geh`n“ – so lautete einer der typischen Heischesprüche. Waren Mädchen
im Haus, wandelte man den Spruch ab: „Rote, rote Eier raus, sonst
peitsch` ma eure Mädchen aus“. Wurde ein Mädchen erwischt, dann gab es
tatsächlich einige Schläge mit der Weidenrute. Nach dem Auspeitschen
kamen die Jungen mittags reichlich beschenkt nach Hause. „90 bis 120
Kronen, 50 bis 60 Eier, Orangen, Schokolade und Wurst“ hatte man da oft
zusammen.
In
Acht nehmen mussten sich aber beim „Aufpeitschen“ die Sparsamen, die
den Peitschern nichts zukommen lassen wollten. Ein Zeitzeuge erinnert sich
an einen Dorfbewohner, dessen Geiz man mit einem auf das Scheunendach
gestellten Mistwagen bestrafte.
Es
gibt noch viele Egerländer Osterbräuche, die leider in Vergessenheit
geraten sind.
Wie
vielen ist es noch bekannt, dass in manchen Gegenden des Egerlandes nicht
der Osterhase, sondern der Hahn die Eier brachte. Der Osterhahn legte am
Gründonnerstag die mit Zwiebelschalen und Zichorienpapier gefärbten Eier
in die vorbereiteten Nester.
Oder
wer kennt noch das Ansetzen einer Ostersaat? Weit verbreitet war im
Egerland das Ansetzten einer Ostersaat. Etwa zehn Tage vor Ostern setzte
man in eine flache Schüssel oder Teller Getreide, Gerste oder Hafer an
und stellte die Saat in die Sonne. Die gefärbten Eier verschenkte man
dann in der schnell keimenden Saat.
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