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Die
Miligauer Tabakspfeife
„Als
ich vor vielen Jahren Ihr Museum besuchte, stellte ich mit Bedauern fest,
dass zwar Tabakspfeifen ausgestellt waren, aber keine „Miltigauer“,,
die einen sehr guten Ruf hatten“.
Mit
diesem Schreiben traf im Egerland-Museum ein kleines Postpaket ein, dessen
Inhalt eine originale Miltigauer Tabakspfeife war. Die Pfeife wurde
inventarisiert und unter der Inventarnummer 17142 in den Bestand des
Egerland-Museums aufgenommen.

Miltigauer
Tabakspfeife
Birkenwurzelstock, Wacholderstämmchen, Büffelhorn
Rotbraun
lackiert
, 1920er
Jahre
Wie fand nun die Pfeifenherstellung Einzug in
das Egerland? Anton Barth, der das Drechslerhandwerk in Wien erlernt
hatte, ließ sich nach einigen Wanderjahren 1820 in Miltigau nieder. Er
fertigte zunächst an der Fußdrehbank kleine Gebrauchsgegenstände wie
Schalen, Büchsen und Pfeifenbestandteile an. Seine beiden Söhne Johann
und Ferdinand schickte er nach Heinrichsgrün im Erzgebirge, damit sie
dort bei Holzschnitzern die Kunst des Pfeifenkopfformens erlernten. Zurück
in Miltigau stellten dann die Gebrüder Barth Holzpfeifen in einem
einheitlichen Stil her und hüteten zudem ihr Geheimnis über die
Zusammensetzung eines schönen, dauerhaften Lackes. Nach dem frühen Tod
Ferdinands führte sein Bruder Johann mit seinen Söhnen den Betrieb
weiter und bildete auch den Miltigauer Franz Egerer aus, so dass in den
Jahren 1910 bis 1940 der gute Ruf der „Miltigauer Pfeifen“ erweitert
wurde. Der Pfeifendrechsler Franz Egerer erhielt 1924 bei der
Gewerbeausstellung in Eger die Silberne Medaille für seine herausragenden
Erzeugnisse.
Die „Miltigauer
Pfeifen“ waren aufgrund ihrer schönen Stil- und Farbeinheit, ihres
guten Zuges und der Haltbarkeit bei den Pfeifenrauchern sehr beliebt. Als
Material verwendete die Miltigauer Pfeifendrechsler für die Köpfchen und
Abgüsse Teile von Birkenwurzelstöcken aus der Falkenauer Gegend, die
aufgrund ihrer Zähigkeit Bohrungen standhielten. Die Röhren wurden aus
Wacholderstämmchen gedreht, die Nüsschen und Spitzen aus schwarzem
amerikanischem Büffelhorn selbst gedrechselt. Der Pfeifenraucher konnte
zwischen unterschiedlichen Pfeifenformen wählen: Mit langen oder kurzen Köpfchen
(Moppelform) oder mit in breiter zylindrischer Art. Die Vorderseite aller
Pfeifen zierte eine reiche Maserung, ebenso dekorierte man die Pfeifen oft
mit geschnitzten Monogrammen oder Ziermotiven. Der Abguss war im Formsatz
helmartig spitz oder kurz gerundet und die fein geglätteten Teile wurden
nach der Beizung mit gelb- oder rotbraunem Lack überzogen.

Josef
Hofmann
, Bauer im Kappl, 1820-1907
Die
gespendete Tabakspfeife stammt aus dem Besitz des Pfeifenmachers
Franz Egerer, der am 23. März 1874 in Miltigau geboren wurde. Er
erlernte das Handwerk des Pfeifendrechslers bei der Familie Barth in
Miltigau. Nach Teilnahme am 1.Weltkrieg, Verwundung und Verlust des
linken Auges, arbeitete er als Pfeifenmacher in Miltigau. Franz
Egerer starb im Frühjahr 1946 zu Beginn der Vertreibung.
Die „Miltigauer Tabakspfeife“ steht exemplarisch für die
vielen Spenden an das Egerland-Museum. Es soll ein Beispiel sein,
dass das Museum nicht nur Trachten, Postkarten und vieles mehr in
seinen Bestand aufnimmt, sondern auch Objekte wie zum Beispiel die
Miltigauer Tabakspfeife.
Vielen
Dank für ihre Spendenbereitschaft!
Carola
Reul M.A.
Wissenschaftliche
Mitarbeiterin des Egerland-Museums
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