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Reizwäsche
zu Omas Zeiten
Wirft
man einen Blick in einen Wäscheschrank um die Jahrhundertwende, findet
man so manches ungewöhnliche Unterwäschestück. Man entdeckt neben
Unterleibchen, Hemdhosen, Unterkleidern und Korsetts unter anderen auch
Unterhosen, die in ihrer Form für unsere Augen etwas ungewöhnlich
erscheinen. Als „Liebestöter“ würden wir diese Unterwäsche heute
bezeichnen, bekannt sind sie als „Stehbrunzhosen“. Sie bestehen aus
zwei lediglich an der Taille zusammengehaltenen Hosenbeinen, die vom Bauch
bis zum Rücken im Schritt offen sind und etwa bis zur Kniehöhe getragen
werden.

Unterhose, Stehbrunzhose
Inv.-Nr. 1774, Bestand Egerlandmuseum
„Beinkleider
sind rathsam!“ – mit solchen Ratschlägen wurde im 19. Jahrhundert für
die neue Bekleidungsform der Unterhose geworben. Zuvor gab es keine Unterwäsche
im heutigen Sinn. Ein einfaches Leinenhemd, das zugleich als Oberhemd
getragen wurde, diente Männern und Frauen als Unterwäsche und Nachthemd.
Erst als das Militär in den 1860er Jahren Unterwäsche aus Trikot für
die Soldaten einführte, wurden Unterhosen für Männer in breiten Bevölkerungskreisen
üblich. Bei den Frauen dauerte es, trotz aller Vernunftgründe, weit bis
in das 20. Jahrhundert ehe sich die Frauenunterhose in alle Schichten
eingebürgert hatte. Lange Zeit hatten Begriffe wie „Beinkleid“ oder
„Hose“ im Zusammenhang mit dem weiblichen Körper einen peinlichen
Beigeschmack. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die
Unterhose zum selbstverständlichen Bestandteil weiblicher Bekleidung.

Schnittblatt für offenes Beinkleid mit Seitenverschluß, um 1900
Carola Reul M.A.
Egerland-Museum
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag, von 14:00 bis 17:00 Uhr
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