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Die Erfolge, die wir in der Museumspädagogik in den letzten Jahren
erreichten, veranlassen uns, diesen Bereich im Egerland-Museum verstärkt
auszubauen. Einerseits werden bewährte Programme beibehalten und
verbessert, andererseits soll das gesamte Angebot an Workshops wesentlich
erweitert werden.
Die zweisprachige
Dauerausstellung des Egerland-Museums (deutsch-tschechisch) beinhaltet
eine große Bandbreite unterschiedlicher und interessanter Themen zur
Kulturgeschichte Westböhmens. Im Rahmen eines EU-Projekts soll das
Egerland-Museum „Lernort und Begegnungsstätte" sein. Durch
Gruppenarbeit in den Workshops soll der Kontakt der Jugendlichen sowie das
"Miteinander" verbessert und intensiviert werden. Besonders
Partnerschulen aus Tschechien oder anderen EU-Staaten sind uns herzlich
willkommen.
Nachfolgend ist das momentane Angebot unserer Aktionen sowie der Stand der
Vorbereitungen und Planungen aufgeführt. Die große Auswahl an museumspädagogischen
Veranstaltungen ermöglicht das Passende für den Unterricht zu finden.
Wir verstehen die Museums-Pädagogik im Egerland-Museum als
Wissensvermittlung und nicht als bloße Freizeitgestaltung. Daher
erscheint es uns besonders wichtig, die Qualität zu halten, wenn nicht
sogar zu steigern. Deshalb haben wir unsere Veranstaltungen nach pädagogischen
Gesichtspunkten didaktisch aufbereitet. Sie lassen sich jedoch individuell
den Bedürfnissen, dem Wissensstand der Schüler oder dem Lehrplan
anpassen.
Angebot
an Workshops
,,Skriptorium"
- die
Mittelalterliche Schreibwerkstatt
,,Fort
von daheim" - Wir packen eine „Fluchtkiste“
,,In
Samt und Seide" - Materialkunde Textil / Industriegeschichte
Wir
basteln einen Bauernhof - Landwirtschaft im Egerland
,,Souvenir,
Souvenir"
- Volkskunst und Kunsthandwerk im Egerland
- Sprudelstein
- Federbilder
,,Spiegelverkehrt"
- Kurs, „Hinter-Glas-Malerei"
In
Vorbereitung:
,,Zuckerbäcker
und Staffage" - Die Bäderarchitektur
,,Die
Ring-Parabel" - Religion, Volksfrömmigkeit im Alltagsleben
,,Die
Macht der Bilder" - Reformation und Gegenreformation
,,Flucht
und Vertreibung - und dann?" - Rückblick auf ein Trauma
und seine Verarbeitung
„Skriptorium“
–
die mittelalterliche
Schreibwerkstatt
Noch vor 150 Jahren konnten
nur sehr wenige Menschen schreiben und lesen. Dies änderte sich erst allmählich
mit der Einführung und der Durchsetzung der Schulpflicht. Heute erachten
wir den täglichen Gebrauch von Papier und Schreibstiften als selbstverständlich.
Doch solange Papier und Tinte keine gängigen
Artikel waren, mussten sie aufwändig hergestellt werden.
Im Workshop zeigen wir mit Präsentationen,
Filmen und Objekten die Geschichte des Schreibens:
Wir stellen Tinte her, reiben Farben,
schneiden uns Federkiele und üben damit zu schreiben. Den Schülern wird
bald klar, dass das Schreiben, wie es beispielsweise in den Skriptorien
des Mittelalters ausgeübt wurde, kein Vergnügen war und großes Können
und höchste Konzentration erforderte. Ein Dokument nicht wie am Computer
korrigieren zu können, verzeiht keine Fehler und verdeutlicht den Wert
einer gelungenen Handschrift. Gemeinsam malen wir ein Dokument und
kolorieren eine Majuskel.
Zeit:
ca. 2 Std.
Alter:
bis 14 Jahre
Ort:
Egerland-Kulturhaus
,,Fort von daheim" - Wir packen eine
,,Fluchtkiste"
In kürzester Zeit und mit
Angst und Beklemmung sein Zuhause aufgeben zu müssen und nur wenig Gepäck
mitnehmen zu dürfen war das einschneidende Erlebnis aller vertriebenen
Egerländer.
In den Depots des Egerland-Museums
liegen zahlreiche Gegenstände, die für das ,,Fluchtgepäck"
vorgesehen waren. Darunter sind manche Dinge, die aus unserer heutigen
Sicht zum Leben als unsinnig oder als nicht notwendig erscheinen.
Die Wertigkeit der Dinge ist es also,
die uns bei der Frage ,,Mitnehmen" oder ,,Zurücklassen" beschäftigt.
Die Schüler sollen die Objektauswahl für
das Fluchtgepäck der Vertriebenen nachvollziehen und verstehen lernen.
Ein Szenarium ,,Flucht und Vertreibung", in die heutige Zeit
versetzt, ermöglicht den Schülern ihre individuelle Fluchtkiste zu
packen.
Damit sollen die Schüler ein Verständnis
entwickeln, was ihnen ,,wichtig" und ,,wertvoll" ist.
Zeit:
ca. 2 Std.
Alter:
alle Altergruppen
Ort:
Egerland-Kulturhaus
In Samt und
Seide" Textilindustrie im
Egerland
Der Faserlein prägte mit
seiner hellblauen Blüte die Kulturlandschaft des Egerlandes. Zahlreiche
Hausweber hatten ihr Auskommen, bis der mechanische Webstuhl in
Manufakturen und Industrien Einzug hielt. Die Textilindustrie war eines
der tragenden Gewerbe im Egerland. Zunächst erhalten die Schüler
Kenntnis über die Materialvielfalt von ,,Stoffen und Geweben“
(Weben, Stricken, Häkeln, Klöppeln,
Flechten, ...). Dabei zeigen wir den Prozess der Verarbeitung vom Rohstoff
zum Produkt und dessen Eigenheiten. Das reichhaltige Textildepot,
,,Schatzkammer" des Egerland-Museums, bietet hierfür
Anschauungsmaterial. Im Zusammenhang mit der Herstellung erfahren die Schüler
die Geschichte der Textilherstellung, Mechanisierung und
Industrialisierung sowie die Auswirkungen auf Gesellschaft, Wirtschaft und
Politik. Abschließend besuchen wir die Fränkische Gobelin Manufaktur und
flechten Freundschaftsbänder.
Zeit:
ca. 3 Std.
Alter:
bis 15 Jahre
Ort:
Egerland-Kulturhaus, Gartenschaugelände
Wir
basteln einen Bauernhof
Die
Landwirtschaft im Egerland
Ausgehend von dem Modell eines Vierseithofes in der Ausstellung des
Egerland-Museums soll die Geschichte der Landwirtschaft aufbereitet
werden. Zunächst basteln die Schüler aus einem Bilderbogen den
Vierseithof und wir erläutern die Details. Nichts auf dem Bauernhof
diente nur der Schönheit und der Idylle, alles hatte einen Nutzen oder
Sinn. Bauern sorgen bis zum heutigen Tag für unsere Nahrungsmittel. Wie
kann es möglich sein, dass früher über 80 Prozent der Bevölkerung in
der Landwirtschaft tätig waren und heute weniger als 20 Prozent den Rest
der Bevölkerung ernähren?
Diese
einschneidenden Veränderungen in der Landwirtschaft werden erarbeitet,
diskutiert und die Ergebnisse zusammen mit dem Modell in die Schule
mitgenommen. Doch zum Abschluss der Veranstaltung genießen wir gemeinsam
Liwanzen mit Zimt und Zucker, eine typisch böhmische Spezialität.
Zeit:
ca. 2 Std.
Alter:
bis 13 Jahre
Ort:
Egerland-Kulturhau
,,Souvenir,
Souvenir"
Volkskunst und Kunsthandwerk im
Egerland
Kaum ein anderer
Wirtschaftszweig beeinflusste die Volkskultur im Egerland solchermaßen
wie der Bädertourismus. Eine in sich funktionierende Infrastruktur wurde
aufgebaut, um den honorigen und vermögenden Badegästen das ,,Genesen und
Genießen" so angenehm wie möglich zu machen. Ein Großteil der Bevölkerung
verdiente an dem wachsenden Tourismus, besonders das Andenkengewerbe.
Souvenire sind zunächst Erinnerungen an den Badeaufenthalt. Als Geschenke
beziehungsweise ,,Mitbringsel" belegen sie den Kuraufenthalt, lassen
aber auch die Freunde und Bekannten an dem Bade-Erlebnis teilhaben. Die ,,Andenkenindustrie"
war es, die das volkskünstlerische und kunsthandwerkliche Schaffen im
Egerland auf Grund der Kundenwünsche maßgeblich beeinflusste.
Im Zusammenhang mit dieser
Veranstaltung bieten wir an, eine Auswahl dieser Produkte herzustellen.
Zeit:
ca. 2-3 Std.
Alter:
bis 13 Jahre
Ort:
Egerland-Kulturhau
Sprudelstein
Das Mineralwasser der Heilquellen enthält
Kalziumkarbonat.
Dieses bildet den sogenannten
Sprudelstein, eine Form der Versinterung. Der Reiz des Sprudelsteins liegt
in der exotischen, teilweise willkürlichen Farbigkeit, die an
Halbedelsteine oder Marmor erinnert. Er wurde von Sprudelsteinschleifern
in Form gebracht und zu Mosaiken verarbeitet und poliert.
Wir schneiden die Ornamente und Figuren
der Sprudelsteine aus farbigem Papier. Nach historischen Vorlagen bekleben
wir mosaikartig einige Pappschachteln.
Federbilder
Sehr begehrt, nicht nur bei den
Touristen, waren die Federbilder. Es sind Vogeldarstellungen mit echten
Federn gefertigt, eine Spezialität der Egerländer Volkskunst.
Sie wurden im Haushandwerk und in
Arbeitsteilung hergestellt, mit einer Hintergrundmalerei professioneller
Maler ergänzt und in alle Welt verkauft.
Wir kleben mit Federn den Vogelkörper
auf eine Schablone, schneiden ihn zurecht, malen einen Hintergrund auf
Papier, kleben den Vogelkörper darauf und ergänzen ihn mit Schnabel und
Beinen Fertig ist das Federbild.
Kontakt:
Egerland-Museum,
Fikentscherstr. 24, 95615 Marktredwitz
Tel.
09231/3907
E-Mail:
info@egerlandmuseum.de
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