Christkindl – geliebt, verehrt, geholfen

„Christkindl – geliebt, verehrt, geholfen“

Die Verehrung der Kindheit Jesu hat eine über tausendjährige Tradition. Am bekanntesten ist die Christgeburt, bei der das Jesuskind zusammen mit Maria, Josef, Ochse und Esel sowie Engeln, Hirten und Königen dargestellt wird. Schließlich erscheint ab dem 16. Jahrhundert das „Christkindl“ als Einzelfigur von seinem Umfeld losgelöst.

Schönborn Jesulein, 17. Jahrhundert

 

Zur Verehrung wird es in Kirchen auf Altären oder im Privatbereich in besonderen Nischen aufgestellt. Meist ist die Rechte zum Segen erhoben. In der linken Hand kann es die Weltkugel oder den Reichsapfel halten. Lockenperücke und Krönlein betonen die Rolle als kindlicher Herrscher. So eroberte das „Christkindl“ seit dem Spätmittelalter ganz Europa. Vielerorts wandelte sich die Figur zum berühmten Gnadenbild, das bis heute unzählige Male kopiert und verehrt wird.

Augustinerkindl im Schrein, 18. Jahrhundert

 

Meist wird das Jesulein aus Wachs geformt, aus Holz oder seltener aus Elfenbein geschnitzt und in wertvolle Kleider gehüllt. Legenden von wundertätigen Ereignissen und Heilungen lassen zahlreiche Wallfahrten zu den Gnadenbildern entstehen.

Prager Jesulein, 18. Jahrhundert

 

„Wachs, Gold, Silber, edle Steine und Stoffe“

 

In der Barockzeit hielten Pracht und Prunk in der Liturgie Einzug. Das Wallfahrtswesen wurde neu belebt und der Heiligen- und Reliquienkult gefördert. Zunächst beschränkte sich die Verehrung des Jesuskindes als „Trösterlein“ und „Seelen-Bräutigam“ auf die Frauenklöster. Im 17. und 18. Jahrhundert hielt der Brauch auch Einzug in den bürgerlichen und bäuerlichen Bereich. So wurden bekannte und wundertätige Christkindlfiguren als anberührte, sozusagen „beglaubigte“ Kopien zu Hause aufgestellt. Durch Verwendung von Wachs, Glasaugen und echten Haaren wurden die Kinder immer naturgetreuer. Oft besaßen sie mehrere kostbare Bekleidungen. Die Seiden- und Samtstoffe wurden aufwändig mit Gold- und Silberdrahtarbeiten verziert.

Augustiner Fatschenkind von Rosi Bauer

 

Zur Ausstellung im Egerland-Museum

 

Vor der Säkularisation 1803 waren in Deutschland und den angrenzenden Ländern über 50 Orte bekannt, die sich „Wallfahrten zum wundertätigen Jesuskind“ nannten. Viele davon sind heute in Vergessenheit geraten. Das Christkindl-Wallfahrts-Museum in Siegsdorf (Südbayern) stellt dem Egerland-Museum eine Auswahl von zum Teil sehr alten Gnadenbildkopien als Leihgaben zur Verfügung. Diese standen früher über lange Zeiträume zur Verehrung in Klöstern, Dorfkirchen oder Hauskapellen: Schließlich wurden sie dem Christkindl-Wallfahrts-Museum übereignet. Hier werden diese besonderen Schätze der Volksfrömmigkeit ausgestellt und ihre Bedeutung für Wallfahrt und Andacht vermittelt.

Bethlehemitisches Jesuskind im Schrein, 18./19. Jahrhundert

 

In der Marktredwitzer Ausstellung sind 17 Gnadenbildkopien vertreten, darunter das berühmte Prager Jesulein, Augustiner Kindl oder Salzburger Loretokindl. Eng mit den wertvollen Stücken verbunden sind deren Entstehungslegenden, Wallfahrten, Votivgaben und Wallfahrtsandenken.

Augustiner Kindl, 18./19. Jahrhundert

 

Die kostbaren „Christkindl“ wurden aufwändig verziert. Dabei kamen Techniken zum Tragen, die bei der Herstellung von „Klosterarbeiten“ bekannt sind. Diesen historischen Handarbeiten ist ein besonderer Aspekt gewidmet. Zu sehen sind edle und wertvolle Materialien wie Gold- und Silberdraht, Goldbouillon, Goldlahn, Stoffe wie Brokat, Samt, Seide und Lamé, Pergament, Wachs, geschliffene Steine, Perlen oder Pailletten. Heute finden diese filigranen und kunstreichen Handarbeiten immer mehr Anklang. So fertigen geschickte Hände nach alten Vorbildern prachtvolle Barockornamente in einer Vielfalt der Formen und Farben. Bekannt sind die barocken Klosterarbeiten des Laienbruders Adalbert Eder (1707- 1777) in der Basilika Waldsassen. Rosi Bauer aus Siegsdorf hat sich seit den 1970er Jahren damit auseinandergesetzt und versteht sich darauf, diese prachtvollen Motive Eders zu kopieren. Ein Grund mehr, um diese „Meisterin“ der Klosterarbeit und ihre „Himmelswerkstatt“ vorzustellen.

„Sternstunden-Jesulein“ von Rosi Bauer, 1993

 

Zutreffend bezeichnet sich Rosi Bauer selbst als Sammlerin aus Leidenschaft, Restauratorin aus Erfahrung und Kunsthandwerkerin zu Ehren der Jesuskinder. Ein besonders großer Verdienst liegt in der Gründung, im Aufbau und Betrieb des Christkindl-Wallfahrts-Museums in ihrem Heimatort Siegsdorf. Hunderte wertvoller Exponate wurden im Laufe der Jahre in ihre Hände gelegt, damit sie der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Prager Jesulein, Mitte 18. Jahrhundert

 

Seit Jahrzehnten widmet sich Rosi Bauer in ihrer „Himmelswerkstatt“ der Restaurierung und Neuanfertigung von Wachsarbeiten, Klosterarbeiten, Fatschenkindern oder bekleideten Krippenfiguren. Unter ihren Auftraggebern sind namhafte Klöster, Kirchen, Museen und Diözesen. Als Autodidaktin verfügt sie über ein großes fachliches Wissen im Bereich der historischen Handarbeitstechniken. Meisterlich fertigt sie Klosterarbeiten wie einst ihr großes Vorbild, der Waldsassener Laienbruder Adalbert Eder.

Musterkasten für Klosterarbeiten, Ziertechniken von Rosi Bauer

 

Ein weiteres Spezialgebiet von Rosi Bauer ist die Anfertigung von Christbaumschmuck nach historischen Vorbildern. Ob Gablonzer Christbaumspitzen und Sterne oder Wattefiguren und Oblaten-Engel: Vieles was um 1900 beliebt war, können Besucher im Egerland-Museum bestaunen und sogar kaufen.

„Schmetterling“, Klosterarbeit von Rosi Bauer, nach Techniken von Adalbert Eder

 

2020 ist für Rosi Bauer das Jahr ihrer Jubiläen. Aus diesem Grund ist mit der Ausstellung „Christkindl – geliebt, verehrt, geholfen“die herzliche Gratulation des Egerland-Museums und seiner Besucher zu

„50 Jahre Himmelswerkstatt“ und

„10 Jahre Christkindl und Wallfahrts-Museum“

verbunden.

 

Christbaumschmuck, Wattefiguren nach historischen Vorbildern von Rosi Bauer

 

Flyer zum Herunterladen.

 

Alle Fotos von Florian Miedl.

 

„Christkindl – geliebt, verehrt, geholfen“

 

Dezember 2020 bis 07. Februar 2021

Bis voraussichtlich 30. November 2020 geschlossen!

 

Eine Ausstellung des Egerland-Museums in Kooperation mit Rosi Bauer und dem Christkindl-Wallfahrts-Museum in Siegsdorf.

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag, von 14:00 bis 17:00 Uhr
Erweiterte Öffnungszeiten vom 26.12.2020 bis 10.01.2021:
Montag bis Sonntag, von 10:00 bis 18:00 Uhr
Geschlossen am 24., 25. und 31.12.2020

Andere Öffnungszeiten für Gruppen sind nach telefonischer Anmeldung möglich.

Eintritt frei!

 

Kontakt:

Egerland-Museum
Fikentscherstr. 24, 95615 Marktredwitz
Tel.: +49 (0) 92 31 39 07
info@egerlandmuseum.de
www.egerlandmuseum.de