Huasnaontoudara – Kunstwerk des Monats April 2004

Egerländer Kunstgalerie Marktredwitz

Huasnaontoudara - Kunstwerk des Monats April 2004

Raumgestaltung mit Metall-Collage

Die Schausammlung der Egerländer Kunstgalerie Marktredwitz umfasst Gemälde und Kleinplastik. Außer diesen rd. 80 Exponaten ist jedoch in dem oktogonalen Galerieraum ein Kunstwerk zu sehen, das der Raumgestaltung in außergewöhnlicher und künstlerischer Weise dient. Bei diesem für die Raumgestaltung geschaffenen Kunstwerk handelt es sich um die an der Decke des Raums angebrachte  Zink-Collage mit dem Titel Huas’naon’toudara von Brigitte Beyer. Das Kunstwerk weist eine Fläche von rd. 35 m² auf. Es ist 1973 beim Bau des Egerland-Kulturhauses entstanden.

Wie die achteckige Form des Ausstellungsraums dem zu einem Symbol der Egerländer stilisierten Huas‘naon’toudara entspricht, nimmt auch die Zink-Collage die acht-eckige Form dieses Symbols auf. Innerhalb des Achtecks wird der Kernbereich der Zink-Collage durch eine Kreisfläche markiert und durch eine kleinere kreisförmige Platte hervorgehoben. So entsteht der Eindruck, es sei ein sehr großes Abbild des Symbols an die Decke geheftet. Die bei der Egerländer Tracht als Schmuckstück verwendeten Huas‘aon’toudara sind ebenso in sich gegliedert und kunstvoll ziseliert. Die reliefartige Metall-Collage besteht aus geschichteten, überlappten, gestapelten Zink-und Zinnplattenteilen, die texturiert (geätzt) und strukturiert sind. So ergeben sich innerhalb des (kleineren) Kernkreises nochmals ein kreisförmiger Mittelpunkt und in innerhalb des größeren Kreises acht kreisförmige Gebilde, die um den Kernkreis angeordnet sind. Die über einander geschichteten Metallplatten ergeben zugleich eine reliefartige Oberfläche, die deutliche Einkerbungen und Unebenheiten aufweisen. So entsteht der Eindruck, das Symbol bzw. das Schmuckstück sei verletzt, von Zerstörung betroffen ohne zugleich seiner Bedeutung beraubt zu sein. Das Schicksal der Vertreibung aus der Heimat ist gleichsam in das Metall eingeprägt.

Die Künstlerin Brigitte Beyer machte selbst eine Wandlung in ihrem künstlerischen Schaffen durch. Sie entwickelte sich von der Grafikerin und Zeichnerin zur Bildhauerin. Die Metall-Collage wurde ihr Ausdrucksmittel seit 1969. Diese Collagen sind jeweils an den Bau gebunden und künstlerische Mittel zur Raumgestaltung. Mit diesen Collagen vermittelt sie zugleich Aussagen für die Menschen, denen die Räume gewidmet sind.

Der Initiator für dieses Kunstwerk, Rechtsanwalt Otfried Michl (* 1912 in Eger † 1977 in Stuttgart) wollte in den achteckigen Zentralraum des Altbau des Egerland-Kulturhauses, für den aus Kostengründen lediglich eine Holzvertäfelung vorgesehen war, eine künstlerische Aussage, die sich an die Benutzer des Raumes wendet, bringen. Dies ist in hervorragender Weise mit dieser Zink-Collage von Brigitte Beyer gelungen. Sie stellt eindrucksvoll ein Egerländer Schmuckstück dar und zeigt zugleich die Zerstörungen und die Wunden, die die Egerländer durch die Vertreibung aus der angestammten Heimat erlitten haben. Durch die nun seit 1999 bestehende Verwendung des Raums als Hauptraum der Egerländer Kunstgalerie erfährt das Kunstwerk noch zusätzlich an Bedeutung. Es korrespondiert auch in hervorragender Weise mit dem Gobelin Egerländer Symbole  von Ursula Benker-Schirmer, der den Besucher am Eingang des Egerland-Kulturhauses begrüßt.

Brigitte Beyer ist 1931 in Chemnitz in Sachsen geboren. Ihre Ausbildung beginnt sie in der Textil-Fachschule in Chemnitz in den Jahren 1950 bis 1953. Dann studiert sie von 1957 bis 1963 an der Hochschule für Bildende Kunst in Berlin und ist im Fach freie Grafik Meisterschülerin von Professor Friedrich Stabenau. Sie erhält am Ende ihrer Studienzeit den Kunstpreis der Stadt Wolfsburg. Sie ist dann als freischaffende Künstlerin in Esslingen tätig. Zunächst entstehen Grafiken mit der Darstellung des Mikro- und Makrokosmos beeinflusst von zahlreichen Reisen nach Stromboli, die sie mit ihrer

Studienfreundin Irmtraud Förster unternimmt. 1959 entsteht ein Kafka-Zyklus in Aquatinta, der noch dem Figuralen verhaftet ist. In der 1963 als Lithographien entstandenen Schöpfungsgeschichte beginnt sie sich in abstrakten Formen auszudrücken. Magische Elemente, Wirbel, Drehungen, Strudel assoziieren Bewegungsformen, wie Fließen, Schwimmen usw. als Grunderfahrungen und Synonyme des Lebens. 1964 beginnt die Künstlerin mit Metallarbeiten, bei denen sie von Ihrer Freundin Förster technisch unterstützt wird. Ausgangspunkt ist die Druckplatte, die sie zum Relief weiter verarbeitet. Es folgen dann Collagen für baugebundene Gestaltungen. Die ersten Auftragsarbeiten sind 1969 für die Schwerhörigenschule in Nürnberg und das Theodor-Heuss-Gymnasium in Esslingen. Außer der Deckengestaltung in Marktredwitz folgen zahlreiche Raumgestaltungen u. a. in Bonn,  Nagold, Nürtingen, Reutlingen, Schorndorf. Weitere Arbeiten befinden sich in Karlsruhe, Offenbach, Wolfsburg, Stuttgart, Esslingen. Brigitte Beyer hat Ausstellungen in Reutlingen, Braunschweig, Göppingen, Darmstadt, Wiesbaden, Esslingen und Dresden. In Marktredwitz wurde sie bei der Deckengestaltung, die im Egerland-Kulturhaus vor Ort gefertigt wurde, von ihrer Freundin Irmtraud Förster unterstützt. Brigitte Beyer ist 1995 in Esslingen verstorben.  Die Kosten für das Kunstwerk (rd. 50 TDM) wurden durch eine erhebliche Spende des RA Otfried Michl und durch Spenden, die er bei Egerländern vorwiegend in Stuttgart sammelte, gedeckt. RA Michl entstammt einer alten angesehenen Bürgerfamilie aus Eger und war einer der Stellvertreter des Bundesvüarstäihas des Bundes der Eghalanda Gmoin e. V. sowie Mitarbeiter der Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft Dr. Lodgmann von Aue, Dr. Hans-Christoph Seebohm und Walter Becher.

HAvL